Citigroup
Voreilige Überschwänglichkeit

Die Aktionäre von Citigroup lassen sich verzaubern. Sie schickten die Aktien in traumhafte Höhen, nachdem die Mega-Bank einen Riesenverlust über fünf Mrd. Dollar veröffentlicht hatte. Ihr Enthusiasmus würde Sinn ergeben, wenn damit wirklich das Ende der Schwierigkeiten von Citigroup erreicht wäre. Das ist aber noch lange nicht so.

Was passiert, wenn eine der größten Banken der Welt einen Verlust über mehrere Milliarden vorlegt? Natürlich - die Aktien schießen in die Höhe. In den vergangenen Monaten war dies mit schöner Regelmäßigkeit bei einer ganzen Reihe von Finanzinstituten zu beobachten, denn die Aktionäre klammern sich an die Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise. Ihre überschwängliche Reaktion auf den Verlust von Citigroup über fünf Mrd. Dollar ist allerdings doch recht verwirrend.

Sicher, vielleicht kommen im Bereich der hypothekenbezogenen Vermögenswerte nun keine allzu großen Schläge mehr – Citigroup hat die am stärksten kontaminierten CDO-Bestände bereits auf etwa ein Fünftel des Nennwerts abgeschrieben. Und trotz der miserablen Erstquartalsergebnisse hat die Bank genug neues Kapital gesammelt, so dass sie ihre angestrebte Kernkapitalquote schon drei Monate im Voraus erreicht.

Das Schlimmste könnte also wirklich überstanden sein, aber es gibt immer noch genug Probleme, um die Bank noch ein Jahr oder länger zu belasten. Die Investoren sollten sich auf einen happigen Umstrukturierungsaufwand einstellen, während Citigroup Stellen abbaut und Geschäftseinheiten ummodelt. Und Bankchef Vikram Pandit und seine Adlaten arbeiten immer noch daran, die Bilanz von einem übergroßen Fremdkapitalanteil zu befreien, indem sie etwa Vermögenswerte von Zweckgesellschaften über etwa 50 Mrd. Dollar verkaufen wollen, die Ende des letzten Jahres an Bord genommen worden waren. Oder indem sie all jene Geschäfte abzustoßen versuchen, die sie nicht mehr dem Kernbereich zurechnen.

Dazu kommt, dass die Schwierigkeiten bei Verbraucherkrediten außerhalb des Hypothekenbereichs gerade erst einsetzen. Ihr Portfolio über etwa 20 Mrd. Dollar an Autofinanzierungen zweitklassiger Bonität („Subprime“) wird schwerer in Mitleidenschaft gezogen. Und die Ausfälle im US-Kreditkartengeschäft von Citigroup verweisen darauf, dass bis weit ins nächste Jahr hinein mit steigenden Verlusten zu rechnen ist. Für diese Geschäftsbereiche hat die Bank weitere 1,2 Mrd. Dollar an Rückstellungen getätigt, aber dies könnte sich als unzureichend erweisen, wenn sich die Konjunktur weiter abschwächt.

Man kann jetzt auch nicht behaupten, dass diese Probleme in dem gewaltigen Finanzausweis von Citigroup in irgendeiner Weise versteckt worden wären. Finanzchef Gary Crittenden hat auf der Konferenz zu den Unternehmensergebnissen das meiste vor den Investoren ausgebreitet. Natürlich könnte es ein cleverer, sich gegen alle Instinkte wendender Zug sein, jetzt zu investieren, da die Jungs an der Spitze einmal angemessen vorsichtig vorgehen – schließlich hatte es auch keinen besseren Zeitpunkt zum Ausstieg gegeben als im letzten Jahr, als sie noch alle optimistisch waren. Aber es wird noch eine Weile dauern, bis Pandits Pläne für die Kehrtwende nennenswerte Früchte abwerfen.

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