City-Boni
Ohne Bonus

Bei den Auszahlungen in der Londoner City führen die Investmentbanker seit 2002 gegenüber den Gewinnen der Investoren mit zehn zu eins. Damit ist klar, wer in einer Hausse die größte Beute macht. Aber wenn sich ein prognostizierter Rückgang des Bonuspools in der City um 40 Prozent als zutreffend erweist und sich die Bankenaktien stabilisieren, wird sich der Abstand beträchtlich verringern – wenn auch nur für eine gewisse Zeit.

Es ist besser, ein Investmentbanker als ein Bankeninvestor zu sein – zumindest wenn man die Sparbücher vergleicht. In den sechs Jahren seit dem letzten Abschwung sind die Boni in der Londoner City um 86 Prozent bzw. um 13,3 Prozent jährlich geklettert, berichtet die Beratungsgesellschaft Centre for Economics and Business Research (CEBR). Die Kurse von Bankaktien dagegen erzielten in demselben Zeitraum zusammengenommen einen Jahreszuwachs um gerade einmal 1,3 Prozent, wenn man als Maßstab den FTSE-Index für global arbeitende Banken nimmt, der Citigroup, Deutsche Bank und UBS umfasst. Aber es könnte noch ein gewisser Ausgleich erzielt werden.

Das CEBR geht nämlich für das kommende Jahr von einem Rückgang im Bonus-Pool der City um 40 Prozent auf 5,1 Mrd. Pfund Sterling aus. Damit würde die Verringerung prozentual mehr als doppelt so hoch ausfallen wie nach dem Platzen der spekulativen Internet-Blase. Aber wenn sich die Prognose als richtig erweist, dann würde die Wachstumsrate bei den Gehaltszuschlägen für die Banker seit 2002 auf 1,8 Prozent absacken. Wenn sich die Bankaktien im weiteren Jahresverlauf auf ihrem derzeitigen Niveau halten können, dann würde sich die Kluft zwischen Kapital und Arbeit beträchtlich verringern.

Natürlich sind die angewandten Maßstäbe ein wenig grob. Sie berücksichtigen weder die Dividenden, die im genannten Zeitraum an die Aktionäre ausgeschüttet worden sind, noch die 41 Mrd. Pfund, die in die Taschen der an den Deals Beteiligten und ihrer Kollegen aus dem Finanzdienstleistungsbereich gewandert sind. Und doch können sich die Investoren - die unter dem unfehlbaren Zahlungsmodus für die Banker leiden, der da lautet: „Kopf und wir gewinnen, Zahl und ihr verliert“, - ein bisschen damit trösten, dass sich die Wettbewerbsbedingungen etwas fairer gestalten dürften.

Aber wenn das CEBR auch mit seinen weiteren Vorhersagen Recht behält, werden schon bald die Banker wieder die besseren Karten in der Hand halten. Die Beratungsgesellschaft rechnet damit, dass der Bonuspool der City 2011 mit neun Mrd. Pfund – das entspricht einer Zuwachsrate um 21,2 Prozent in den kommenden vier Jahren – einen neuen Rekord markieren wird. Es ist möglich, dass die Aktionäre gleichermaßen gestärkt aus der gegenwärtigen Krise auftauchen werden. Aber wenn man der Geschichte glauben darf, werden sich wieder die Banker den Löwenanteil der Beute sichern.

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