City Talk
Ärger garantiert

Das Spielchen „Hau den Banker“ zählt derzeit zu den beliebtesten Disziplinen in der internationalen Politik. Gerade in Wahlkampfzeiten lassen sich mit ein paar gezielten Schlägen gegen die gierige Meute der Finanzmenschen schnelle Punkte machen.
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Am vergangenen Wochenende lieferten sich die Finanzminister der größten 20 Industrie- und Schwellenländer bei ihrem Gipfel in London einen regelrechten Wettbewerb der gerechten Empörung, und wieder einmal ging es bei der großen Bankerschelte vor allem um exzessive und anreizverzerrende Bonuszahlungen.

Doch das Leben ist glücklicherweise nicht ganz so säuberlich in schwarz und weiß unterteilt, wie es die Politiker manchmal gerne hätten. Denn hört man sich in der Bankenbranche um, dann bekommt man in letzter Zeit immer öfter zu hören, dass es gerade jene Geldhäuser sind, die unter dem Einfluss des Staates stehen, die mit besonders üppigen Geldversprechen locken. Dabei geht es vor allem um deutlich höhere Fixgehälter und um garantierte Boni, die unabhängig von der Leistung der Banker gezahlt werden .

So richtig bestätigen will diese Gerüchte, die in der Londoner City genauso die Runde machen wie an der Wall Street, natürlich keine der Banken, bei denen der Staat Großaktionär ist. Aber eine gewisse Logik haben die Vorwürfe schon.

Per Definition wurden die heute vom Staat kontrollierten Institute besonders hart von der Krise getroffen, sonst hätten sie ja keine milliardenschweren Kapitalspritzen der öffentlichen Hand gebraucht. Weil es diesen Geldhäusern so schlecht ging, mussten sie oft besonders drastische Sparprogramme einleiten, und deshalb fällt es jetzt, wo das Geschäft wieder anspringt, besonders schwer, die stark gelichteten Reihen wieder aufzufüllen. Welcher Banker, der etwas auf sich hält, wechselt schon zu einer schwer angeschlagenen Staatsbank?

Deshalb bleibt einigen staatlich kontrollierten Geldhäusern wohl tatsächlich nichts anderes übrig, als gute Leute mit üppig bemessenen Fixgehältern und garantierten Sonderzahlungen zu locken. Dabei weiß doch heute jeder Politiker, dass nur noch eines schlimmer ist als hohe Boni, nämlich hohe Garantieboni. Aber es ist eben gar nicht so leicht hehre Prinzipien durchzuhalten, wenn man gleichzeitig versuchen muss den Wert einer Bank, die einem zum großen Teil gehört, zu optimieren.

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