City Talk
Auf Dauer helfen Wortspiele Europa nicht weiter

Die nächste Prüfung für die angeschlagene Euro-Zone wird im neuen Jahr nicht lange auf sich warten lassen. Denn viele Staaten müssen Milliarden neu finanzieren.
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Für die europäische Politik war 2010 ein schwindelerregendes Jahr. Doch selbst im Wirbelsturm der Schuldenkrise behielten die Steuermänner der Euro-Zone stets die Orientierung – wenn schon nicht in Sachen Ökonomie, dann immerhin, wenn es um die Geografie ging. „Griechenland ist nicht Irland“, ließ der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou eine erstaunte Öffentlichkeit wissen. Seine spanische Kollegin Elena Salgado stellte fest, dass „Spanien weder Irland noch Portugal ist“, aber gleichzeitig handelt es sich bei Spanien nach Salgados Recherchen auch nicht um Griechenland. Da wundert es kaum noch, dass Angel Gurria, der Generalsekretär der OECD zu dem Schluss kam, dass „weder Spanien noch Portugal Irland sind“.

Damit wäre die Geografie der Schuldenstaaten hinreichend geklärt. Auch wenn nach all diesen Abgrenzungsversuchen noch immer die theoretische Möglichkeit besteht, dass es sich bei Griechenland eigentlich um Portugal handelt.

Aber der Nutzen der Lehrstunde in Erdkunde hält sich ohnehin in engen Grenzen. Die Euro-Zone als Ganzes steckt im Würgegriff der Schuldenkrise. Zwar rechnet kaum ein Banker oder Fondsmanager in der Londoner City schon 2011 mit einem Staatsbankrott in einem der Krisenländer, aber die Begründung für diesen kurzfristigen Optimismus zeigt auch schon, wo das Problem liegt: Die EU habe sich bislang immer irgendwie durchgewurstelt, das werde die Gemeinschaft auch dieses Mal schaffen. Aber auf Dauer wird Durchwursteln allein wohl nicht reichen.

Die Forscher des renommierten britischen Think-Tanks Centre for Economics and Business Research (CEBR) glauben, dass der Euro in seiner heutigen Form auf Sicht von zehn Jahren eine Überlebenschance von nur 20 Prozent hat. Eine Schonfrist für die angeschlagene Gemeinschaftswährung wird es jedenfalls 2011 nicht geben. Allein Spanien und Italien müssen in diesem Frühjahr nach Schätzungen des CEBR 400 Milliarden Euro an Schulden refinanzieren. Gleichzeitig denken viele Investoren aber darüber nach, ihre Anleihebestände abzubauen und einen Teil des Kapitals in andere Vermögensarten wie Aktien umzuschichten.

Außerdem konkurrieren die riskanteren Euro-Staaten mittlerweile mehr oder weniger direkt mit Unternehmen und vor allem Banken, die ebenfalls dringend ihre Schulden refinanzieren müssen. Die Folge des zunehmend härteren Verdrängungswettbewerbs könnte eine Flut von Bondplatzierungen in den ersten Wochen und Monaten von 2011 sein, weil jeder beim Wettlauf um knappes Kapital so schnell wie möglich auf der sicheren Seite sein will. Darauf muss sich die gesamte Euro-Zone einstellen, egal ob Spanien, Portugal; oder Italien, das bei den geografischen Abgrenzungsspielchen der Politiker merkwürdigerweise außen vor blieb.

Kommentare zu " City Talk: Auf Dauer helfen Wortspiele Europa nicht weiter"

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  • Wollen Sie uns fuer dumm verkaufen, Herr Maisch? Das "renommierten britischen Think-Tanks Centre for Economics and business Research (CEbR)" ist nichts anderes als eine Consulting Firma.

    Die schreiben das wofuer die bezahlt werden. Sie koennten ja mal schreiben wer interesse daran hat, fuer eine solche Meinung zu bezahlen.

    Was soll die Schwarzmalerei? ("Die Euro-Zone als Ganzes steckt im Würgegriff der Schuldenkrise.").

    ich glaube eher dass die Eurozone im Wuergegriff von faulen Finanzjournalisten liegt, die nicht anstaendig recherchieren.

    Was ist bitteschoen mit den 2 billionen Euro die die EZb bereitstellt um Anleihen in Europa zu stuetzen. Das ist zusaetzlich zu 750 Mrd Euro, die schon bewilligt sind fuer den EU bail Out fond und die leicht verdoppelt werden koennte.

    Wie lange kann man "Problemstaaten" mit 3,5 billionen Euro stuetzen, Herr Maisch?

    Was Sie auch vergessen, ist das Anleihen in Staaten der EU sicherere Anlagen sind und weniger Kapitalrueckstellungen brauchen, als Anlagen in Unternehmen.

    investoren warten nur darauf das Sie mit der Schwarzmalerei aufhoeren um dann mal anstaendig zuzulangen, wenn italienische oder spanische Anleihen angeboten werden.

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