City Talk
Camerons Wunderwaffe verschreckt die Banker

Bislang murren die Briten kaum gegen die Sparwut ihrer Regierung. Premier David Cameron weiß, dass sich der Zorn der Wähler vor allem gegen die Banker richtet.
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Mit Revolutionen haben die Engländer wenig am Hut. Zwar schlugen auch die Briten einmal einem König den Kopf ab, aber bis heute bedauern es die Insulaner eigentlich, dass sie 1649, angefeuert vom ebenso freudlosen wie fanatischen Puritaner Oliver Cromwell, den Stuart-Monarchen Karl I. aufs Schafott schickten. Vielleicht ist es einfach zu unbritisch, sich dramatisch aufzuregen und lautstark Protest zu schlagen, und vielleicht lassen sich so auch die ausgesprochen zahmen Reaktionen auf das drastische Sparpaket erklären, das Finanzminister George Osborne Mitte Oktober dem Wahlvolk präsentierte.

Während jenseits des Ärmelkanals in Frankreich erboste Bürger mit Streiks und Blockaden gegen die schmerzliche Rentenreform der Regierung das halbe Land lahmlegten, versammelte sich vor dem Sitz des britischen Premiers in der Downing Street gerade mal ein Häufchen nicht besonders entschlossen wirkender Demonstranten. Spätestens seit die Eiserne Lady Maggie Thatcher den Gewerkschaften in den brutalen Arbeitskämpfen der 80er-Jahre das Rückgrat gebrochen hat, scheint die Ära der großen sozialen Unruhen in Großbritannien vorüber. Das wird vor allem in der Londoner City für Erleichterung sorgen. Denn in Zeiten der Finanzkrise sind es nicht mehr die Monarchen, sondern die Finanzmanager, die den Zorn des Volkes auf sich ziehen.

Allerdings sollten die Banker sich nicht allzu früh freuen. Auch wenn die Briten das Austeritätspaket der neuen Regierung erst einmal weitgehend klaglos akzeptiert haben, weiß Premierminister David Cameron, dass ihm ein heikler Balanceakt bevorsteht. Politisch wird er es sich kaum leisten können, dass die nach der Krise wiedergenesenen Banken in diesem Jahr exorbitante Boni ausschütten, während die Wähler unter den Folgen des Sparpakets ächzen.

In dieser Woche werden die großen britischen Geldhäuser ihre Zahlen für das dritte Quartal vorlegen, und weil die Daten in den meisten Fällen solide ausfallen dürften, wird damit auch die Bonusdiskussion wieder voll aufflammen. Sollten es die Banken in diesem Jahr in Sachen Boni auf eine Kraftprobe mit der Regierung ankommen lassen – und dafür gibt es bereits erste Anzeichen –, wird sich Cameron dagegen zur Wehr setzen müssen.

Eine der Waffen in seinem Arsenal ist eine Wiederauflage der Bonussteuer, die eigentlich von seinem glücklosen Labour-Vorgänger Gordon Brown stammt. Brown hatte zwar versprochen, dass die 2009 eingeführte Steuer eine einmalige Angelegenheit sei, aber bislang hat die neue Regierung sich nicht eindeutig zu diesem Versprechen bekannt. Sollte Cameron Browns Wunderwaffe tatsächlich reaktivieren, würde das allerdings dem ohnehin angekratzten Ruf des Finanzplatzes London weiteren schweren Schaden zufügen.

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