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City Talk: Die britischen Banken haben keine guten Freunde mehr

Im Kampf gegen die harte Hand der Regulierer gehen den Banken in der Londoner City die Verbündeten aus. Die Branche muss sich auf durchgreifende Reformen einstellen.

Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola
Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola

Der britische Dichter Philip Larkin war nicht als großer Menschenfreund bekannt. Von ihm stammt das etwas traurige Zitat: „Ich habe keine Feinde, aber meine Freunde mögen mich nicht besonders.“

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Mit denselben Worten könnte man derzeit die Lage der britischen Finanzbranche beschreiben. Erbitterte Feinde haben die Banker nicht, zumindest nicht im Establishment der britischen Politik. Zu wichtig ist noch immer die City für die gesamte Wirtschaft. Aber an der Finanzkrise sind lange gewachsene Freundschaften zerbrochen, zum Beispiel die mit der konservativen Partei des neuen Premiers David Cameron. Dabei galten die Tories einst als wertvollste Verbündete der Banker. Schließlich hat die Eiserne Lady Maggie Thatcher den internationalen Siegeszug der City mit der Liberalisierung der Finanzbranche in den achtziger Jahren erst möglich gemacht.

Doch seit Thatchers Big Bang ist viel Zeit vergangenen, und von Liberalisierung kann heute keine Rede mehr sein. Im Gegenteil, die Banken werden sich darauf einstellen müssen, dass sie deutlich enger an die Leine gelegt werden. Indizien dafür gibt es reichlich, von der Bankenabgabe, die Cameron eingeführt hat, bis zum Komplettumbau der britischen Bankenregulierung. Die Tories wollen die Aufsichtsbehörde FSA weitgehend zerschlagen und die Kontrolle der Finanzbranche bei der Notenbank konzentrieren.

Dabei geht es um weitaus mehr als um eine Neuorganisation. Die Bank of England hat sich in den vergangenen Monaten einen Ruf als harsche Kritikerin der Branche erworben. Notenbank-Gouverneur Mervyn King ließ keinen Zweifel daran, dass er die mächtigen Großbanken am liebsten zerschlagen würde, um eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern. Kings Kollege Andrew Haldane, verantwortlich für die Finanzmarktstabilität bei der Bank of England, denkt ähnlich. In einem Interview ließ er vor kurzem wissen, dass man für die Überwindung der Finanzkrise mehr tun müsse, als nur bessere Regeln für das alte Spiel zu entwickeln. Nach Haldanes Meinung ist der Finanzsektor schlicht zu groß, zu komplex und zu riskant.

Als eine ihrer ersten Amtshandlungen hat Camerons neue Koalitionsregierung eine Kommission eingesetzt, die prüfen soll, ob man Großbanken tatsächlich aufspalten muss, um künftige Krisen zu vermeiden. Ein Jahr haben die Experten dazu Zeit. Bislang gingen die meisten in der Londoner City davon aus, dass die Kommission ein zahnloser Tiger ist, weil in zwölf Monaten die Bankenlandschaft ohnehin ganz anders aussehen wird. Und weil die Weichen für die wichtigsten Reformen bis dahin auf internationaler Ebene gestellt werden.

Aber wer weiß, vielleicht täuschen sich die Auguren. Denn sowohl Taten als auch Worte der neuen Regierung sprechen bislang dafür, dass die Politiker es dieses Mal wirklich ernst meinen. Für die Banken scheint sich die alte Redensart zu bewahrheiten: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

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