City Talk: Die schottische Lösung für zu große Banken

City Talk
Die schottische Lösung für zu große Banken

Es gibt elegantere Wege als eine Zerschlagung, um den Staat vor der Erpressung durch Bankenkolosse zu schützen. HSBC taugt dafür als ein Vorbild.
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Zwei Jahre sind seit dem Kollaps von Lehman Brothers vergangen. Zwei Jahre, in denen die Politiker trotz allem Gezerre und Gestreite große Fortschritte bei der Reform des Finanzsystems gemacht haben. Spätestens mit den neuen Eigenkapitalregeln für die Banken, die unter dem Stichwort Basel III laufen, ist klar, dass die Spielregeln in der Geldbranche tatsächlich neu geschrieben werden.

Ein letztes Problem harrt aber noch immer seiner Lösung, ein Problem, für das die Angelsachsen den Begriff "too big to fail" geprägt haben: zu groß, um zu Scheitern. Viele Banken haben so viel Gewicht oder sind mit dem Rest der Branche so eng verwoben, dass ihr Fall die Stabilität des gesamten Finanzsystems gefährden würde. Weil sich diese Geldhäuser darauf verlassen können, dass sie im Notfall vom Staat aufgefangen werden, geraten sie in Versuchung, zu hohe Risiken einzugehen.

Ausgerechnet die Briten, die wirtschaftlich so abhängig vom Wohlergehen der Finanzwirtschaft sind, denken über besonders radikale Lösungen für dieses Problem nach. Die neue Regierungskoalition hat eine Kommission eingesetzt, die prüfen soll, ob man die Großbanken zwingen soll, ihr lukratives Investment-Banking abzuspalten. Aber vielleicht lässt sich das "Too big to fail"-Problem ja auch mit weniger radikalen Mitteln als einer Zerschlagung lösen. Paradoxerweise könnte ausgerechnet eine der größten Banken der Welt die Richtung für eine sinnvolle Reform vorgeben. Die Rede ist von Europas wertvollster Bank HSBC. Die Geschichte des Geldhauses begann vor mehr als 140 Jahren in Fernost als Hongkong and Shanghai Banking Corporation. Der Gründer, ein Schotte namens Thomas Sutherland, betonte damals, die Bank solle "nach soliden schottischen Bankprinzipien" agieren. Mit diesen Prinzipien ist es heute nach dem grandiosen Scheitern der Royal Bank of Scotland zwar nicht mehr allzu weit her, aber HSBC pflegt noch immer das Erbe der Kolonialzeit, als die Bank in Gegenden des Globus agierte, in denen es keine helfenden Zentralbanken oder Regierungen gab. Noch heute gilt der Grundsatz, dass sich jede internationale Tochter des Konzerns selbst finanzieren und auf eigenen Beinen stehen können muss. Die Holding in London bildet lediglich das Dach, unter dem die einzelnen Ableger weitgehend unabhängig mit eigener Bilanz agieren.

Genau dieses Prinzip könnte eine Lösung für das "Too big to fail"-Problem bieten, vorausgesetzt, es würde nicht nur auf regionale Töchter, sondern auch auf einzelne Geschäftsbereiche wie das Investment-Banking angewendet. Sollte beispielsweise der US-Ableger einer internationalen Großbank in Not geraten, könnte diese Tochter abgewickelt werden, ohne die Stabilität des Gesamtinstituts zu gefährden. Für die meisten Banken wäre das zwar eine teure Lösung, sowohl was Kapitalkosten als auch Steuern angeht, aber lange nicht so teuer wie eine Zerschlagung.

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