City Talk
Gefährliche Schwalben

Haben wir die Krise schon überstanden? Liegt zumindest das Schlimmste jetzt hinter uns? Zuletzt häuften sich in Großbritannien, wie in anderen Ländern auch, pünktlich zu Ostern die hoffnungsfrohen Botschaften.

Die Volkswirte des britischen Industrieverbandes CBI glauben, dass die Insel den Tiefpunkt der Rezession durchschritten hat, und auch aus der Bank of England waren in den vergangenen Tagen vorsichtig optimistische Töne zu hören.

Hoffentlich ist hier nicht der Wunsch der Vater des Gedanken. Denn sollte sich die frohe Osterbotschaft als Trugschluss erweisen, wäre das fatal für die Insel. Angesichts ausufernder Staatsfinanzen hat die Labour-Regierung von Premierminister Gordon Brown so gut wie keinen Spielraum mehr, um mit fiskalpolitischen Programmen die Nachfrage anzukurbeln oder den schwer angeschlagenen Bankensektor weiter mit Milliardensummen zu füttern.

Schätzungsweise 60 Mrd. Pfund hat die Regierung bereits in die Sanierung der maroden Geldhäuser gesteckt, und noch ist nicht klar, ob die Mittel ausreichen werden, um das Finanzsystem wirklich zu stabilisieren. Nach den Verlusten aus toxischen Wertpapieren kommt auf die Banken wegen der schweren Rezession eine Großzahl fauler Unternehmenskredite zu. Zudem sind die britischen Konsumenten so hoch verschuldet wie kein anderes Volk in Europa. Platzt die Blase der Kreditkartenschulden, dann dürfte es für viele britische Banken wirklich ungemütlich werden. Ohne die gründliche Sanierung des Bankensektors wird aber auch die Realwirtschaft kaum den Weg aus der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg finden. Das zeigt die Erfahrung aus der Historie. Die allergrößten Pessimisten malen bereits das Schreckgespenst des Annus horribilis 1976 an die Wand. Damals musste der Schatzkanzler Dennis Healey den Internationalen Währungsfonds zu Hilfe rufen, um Großbritannien vor dem Staatsbankrott zu retten. So weit ist es noch lange nicht, und vielleicht konkretisieren sich ja die ersten zarten Hoffnungszeichen in den kommenden Wochen wirklich zu verlässlichen Vorboten einer Erholung. Aber noch nie war das abgegriffene Sprichwort von der Schwalbe, die noch keinen Sommer macht, so wertvoll wie heute.

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