City Talk: Investmentbanker sind als Manager besser als ihr Ruf

City Talk
Investmentbanker sind als Manager besser als ihr Ruf

Die umstrittensten Figuren der Finanzszene sind offenbar lernfähig. Und keineswegs nur aufs Geld aus: Der Wille zur Macht ist bei vielen von ihnen noch stärker ausgeprägt.
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So, Investmentbanker sind also gierige Gesellen, denen es nur ums Geld geht? Völlig falsch, tatsächlich streben die Besten dieser Zunft nicht nach schnödem Mammon, sondern nach Ruhm und Ehre. Warum sonst hätte Bob Diamond, der ebenso smarte wie durchsetzungsstarke Chefinvestmentbanker der britischen Großbank Barclays, alles darangesetzt, den Sprung auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden zu schaffen?

Schließlich wird er in seinem neuen Job nicht nur deutlich weniger verdienen, sondern handelt sich auch noch jede Menge Ärger mit Politikern und Aufsehern ein, die ihm und seinen Kollegen in den anderen Großbanken die Finanzkrise noch immer nicht verziehen haben. Weniger Geld und dann auch noch weniger Spaß, das klingt nicht nach einem guten Deal. Aber offenbar ist der Wille zur Macht am Ende doch stärker als der Lockruf des Geldes. Wahrscheinlich sinkt der Grenznutzen der nächsten zusätzlichen Bonusmillion doch ziemlich rapide, wenn man wie Diamond seit Jahrzehnten erfolgreich im Geschäft ist.

Dass sein neuer Job nicht vergnügungsteuerpflichtig ist, wird Diamond sehr schnell festgestellt haben. Angesichts der Welle der Empörung, die durch die britische Öffentlichkeit brandete, könnte man meinen, dass Barclays mit der Beförderung des Investmentbankers endgültig unter die Räuber gefallen sei.

Ein wenig ungerecht ist das schon. Natürlich hat Diamond auch während der Finanzkrise ein üppiges Gehaltspaket kassiert, und das stößt vielen Steuerzahlern bitter auf. Aber dafür hat der Investmentbanker auch ganz maßgeblich mit dafür gesorgt, dass Barclays bislang alle Turbulenzen überstanden hat, ohne den Steuerzahler direkt anpumpen zu müssen.

Überhaupt haben ehemalige Investmentbanker an der Spitze von Großbanken gar keinen so üblen Job gemacht. Brady Dougan, der im Mai 2007 unmittelbar vor Ausbruch der großen Krise das Ruder bei Credit Suisse übernahm, steuerte die Eidgenossen mit mehr als Anstand durch den Sturm an den Märkten. Das kann sicherlich auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von sich behaupten. Selbst Vikram Pandit bringt das Dickschiff Citigroup allmählich wieder auf Kurs. Zwar hatte der ehemalige Hedge-Fonds-Manager bei der Sanierung der amerikanischen Großbank mit enormen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Aber Pandit hatte schließlich auch ein extrem schwieriges Erbe angetreten, als er Ende 2007 das Ruder bei der schwer angeschlagenen Citigroup übernahm.

Die politische Panik, die der Fall Bob Diamond in Großbritannien ausgelöst hat, wirkt also zumindest ein bisschen übertrieben. Selbst Investmentbanker sind lernfähig. Und auch für sie sollte der alte Rechtsgrundsatz gelten: im Zweifel erst einmal für den Angeklagten.

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