City Talk
Schöne neue Welt

Die 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen beraten am Samstag in Washington über eine Neuordnung der globalen Finanzarchitektur. Die Herausforderung ist enorm, die Chancen auf einen Durchbruch gering.

?Nie wieder?, mit diesem Schlachtruf ziehen die europäischen Politiker an diesem Wochenende in Richtung Washington zum großen Krisengipfel, der die Finanzwelt retten soll. Nie wieder sollen Gier und Sorglosigkeit die Welt in eine Krise stürzen, wie sie derzeit die Märkte rund um den Globus erschüttert.

Aber ist das realistisch? Kann es tatsächlich ein Frühwarnsystem für solche Krisen geben? Im Nachhinein lassen sich Ursachen und Wirkungswege natürlich en detail analysieren, aber in der Vorausschau?

Einen ausgezeichneten Krisenindikator gibt es aber tatsächlich. Sobald die Rede davon ist, dass eine Innovation, die bisherigen Gesetze des Wirtschaftens aushebelt, die ökonomische Welt auf eine völlig neue Grundlage stellt und weit höhere Wachstumsraten als in der Vergangenheit erlaubt, ist allergrößte Vorsicht angebracht.

Die These vom technologischen Paradigmenwechsel war der Vorbote der Internetblase Anfang des Jahrzehnts. Und mit genau so überschäumender Euphorie stürzten sich Banken und Investoren auf die kreativen Erfindungen der Finanzingenieure, jene hochkomplexen Derivate, die jetzt als Giftmüll riesige Löcher in die Bilanzen der Banken ätzen.

Interessanterweise hat das Internet am Ende ja tatsächlich die Weltwirtschaft umgekrempelt, allerdings in ganz anderer Weise und in ganz anderem Tempo als von den Enthusiasten im Boom prophezeit. Solche Innovationskrisen haben die Welt immer wieder erschüttert. Eine neue Technologie drängt an den Markt, und setzt sich nach anfänglichem Misstrauen durch. Immer neue Anwendungen werden entdeckt, aus Freude wird Euphorie und irgendwann werden die Märkte von ihrer eigenen Begeisterung davongetragen. Die Blase bläht sich auf, und früher oder später platzt sie, in der Regel kurz nachdem die Propheten der neuen Technologie einen Paradigmenwechsel in der Weltwirtschaft verkündet haben.

Mit dem Platzen der Blase verschwindet zwar die Euphorie, aber nicht die Innovationen selbst. Nach einer Phase des Misstrauens gehen die neuen Technologien in den Alltag über und entfalten dort völlig unspektakulär ihren Nutzen. Wer weiß, vielleicht gilt das ja auch für die jetzt so verteufelten Kreditderivate.

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