City Talk
Verbotene Früchte

Die verbotenen Früchte sind ja bekanntlich immer die süßesten. Und führen einen nicht gerade Tabus in die größte Versuchung? Vor allem in der Wirtschaft sind Verbote aber oft ein zweischneidiges Schwert.
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Haben sie doch häufig nur zur Folge, dass das Übel, das eigentlich gebannt werden soll, in die Schattenwirtschaft abtaucht und der Handel auf schwarzen Märkten munter weitergeht. Der Drogenmarkt dürfte wohl das drastischste Beispiel für diesen Effekt bieten.

Deshalb gehört schon eine gehörige Portion Optimismus dazu zu glauben, dass all die neuen Regeln, die die Finanzmärkte auf eine solidere Basis stellen sollen, am Ende wirklich nach Punkt und Komma befolgt werden. Der Versuch, für mehr Transparenz auf den Märkten zu sorgen, ist natürlich lobenswert und wird mit Sicherheit auch viel Gutes bewirken. Aber die Gefahr, dass einige Geldhäuser versuchen werden, die Regeln mehr oder weniger elegant zu umgehen und Risiken in die Welt der Schattenbanken zu transferieren, ist damit noch lange nicht gebannt. Ein erstes Beispiel dafür gibt es bereits in der Londoner City.

Die Großbank Barclays lagert Kreditrisiken im Umfang von mehr als zwölf Mrd. Dollar aus und gründet dafür eine eigene Gesellschaft mit dem Namen Protium Finance, die von zwei ehemaligen Mitarbeitern verwaltet wird. So richtig verschwunden sind die Risiken damit aber noch nicht, die Wertpapiere bleiben nämlich technisch gesehen auf der Bilanz von Barclays. Das bedeutet, dass sie mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen, sollte sich die Bonitätsnote für die Papiere verschlechtern. Die britische Bank selbst begründete den Schritt mit dem Fachwissen der beiden Partner, die das Portfolio übernehmen, und sprach von einer Restrukturierung des Kreditrisikos.

Das Beispiel zeigt, dass auch nach den mutigen Beschlüssen der größten 20 Industrie- und Schwellenländer zur Neuordnung der Finanzmärkte noch immer Milliardensummen im zwielichtigen Land der Schattenbanken verschwinden. Es wäre naiv zu glauben, dass die Banken, sobald es ihnen wieder ein bisschen besser geht, nicht versuchen werden, bis an die äußersten Grenzen der neuen Regeln vorzustoßen – und, wenn es irgendwie geht, diese Grenzen ein bisschen weiter nach außen zu verschieben.

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