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Voreiliger Aktionismus

Hurra, jetzt wird die Welt gerettet! Heute machen die Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Finanzkrise endgültig den Garaus – oder vielleicht doch nicht? Die Erwartungen an das Treffen sind so hoch gesteckt, dass sie eigentlich nur enttäuscht werden können.

Hurra, jetzt wird die Welt gerettet! Heute machen die Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Finanzkrise endgültig den Garaus - oder vielleicht doch nicht? Die Erwartungen an das Treffen sind so hoch gesteckt, dass sie eigentlich nur enttäuscht werden können. Ganz fair ist das nicht, denn immerhin haben die G20 viele der wichtigen Probleme identifiziert und die richtigen Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Aber der Gipfel hat auch seine Schwächen. Und die sind erheblich. Da ist zum Beispiel das Thema Finanzregulierung. In einem wahren Rausch haben die G20 einen bunten Strauß an Initiativen auf den Weg gebracht, von der Kapitalausstattung der Banken bis zur Überwachung der Hedge-Fonds. Keine Frage: alles wichtige Themen, doch in der Hektik wächst die Gefahr, dass die neue Finanzarchitektur erhebliche unerwünschte Nebenwirkungen aufweisen wird. Dabei ist die Eile eigentlich gar nicht nötig. Denn fast alle Maßnahmen haben ein Ziel: Eine Wiederholung des irrationalen Überschwangs an den Märkten zu verhindern. Doch die Gefahr, dass die Banker über die Stränge schlagen, dürfte zumindest 2009 und wohl auch 2010 vernachlässigbar sein. Eigentlich wäre also reichlich Zeit, alle Ansätze auf Herz und Nieren zu prüfen. Doch gerade in der Krise scheint Aktionismus Trumpf zu sein.

Deutlich zurückhaltender zeigen sich die Politiker, wenn es um die tieferen Wurzeln der Verwerfungen geht. Die liegen in den strukturellen Ungleichgewichten der Weltwirtschaft, kurz gesagt in der Tatsache, dass Länder wie China aber auch Deutschland mit den Ersparnissen aus ihren Exportüberschüssen über viele Jahre hinweg Konsum und Investitionen in Defizitländern wie den USA finanziert haben.

Solch gefährlich instabile Konstellationen wollen die G20 in Zukunft mit einem makroökonomischen Frühwarnsystem verhindern. Aber ist das wirklich zielführend? Mit wie viel realer Macht wird dieses Frühwarnsystem ausgestattet sein? Am Ende wird sich kein Nationalstaat in seine Wirtschaftspolitik hineinregieren lassen. An Warnungen vor der Krise gab es keinen Mangel. Fast schon rituell tauchte das Thema Makro-Ungleichgewichte in allen wichtigen Erklärungen der großen Zentralbanken und des Internationalen Währungsfonds auf. Nur hören wollte die Warnung keiner.

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