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City Talk: Warum die Stresstests zu zahm ausfielen

Die Irlandkrise hat die Bankenstresstests aus dem vergangenen Sommer entwertet. Jetzt erkennt man: Vertrauenskrisen lassen sich nicht simulieren.

Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola
Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola

Nichts als Stress mit den Stresstests. Keine vier Monate ist es her, dass die europäischen Finanzaufseher ihre schutzbefohlenen Geldhäuser quer über den gesamten Kontinent auf Herz und Nieren geprüft haben. Am Ende des großen Check-up hatten sich die Banken das beruhigende Attest "weitgehend gesund" verdient.

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Aber waren die Stresstests für die Banken tatsächlich stressig genug? Die Frage drängt sich auf, denn zu den Geldhäusern, die damals im Juli ohne größere Probleme ihre vermeintliche Krisenresistenz bewiesen, gehörten auch die Bank of Ireland und Allied Irish Banks. Nur ein paar Monate später brauchen beide Institute noch einmal milliardenschwere Kapitalhilfen, die de facto zur Verstaatlichung der letzten beiden unabhängigen irischen Großbanken führen werden. Kein Wunder, dass sich die Investoren jetzt auch Sorgen um die Stabilität der portugiesischen und der spanischen Banken machen.

Tatsächlich waren die Szenarien, die sich die Prüfer für die irischen Geldhäuser ausgedacht hatten, nicht besonders pessimistisch. Angesichts des ungebremsten Preissturzes am irischen Immobilienmarkt waren die Stressszenarien sogar ausgesprochen zahm. So zahm, dass die Investoren bereits Ende August zu dem Schluss kamen, dass die irische Bankenkrise noch nicht ausgestanden ist, und begannen, Kapital aus den maroden Geldhäusern abzuziehen.

Eigentlich ist es kein Wunder, dass die Tests zu lasch ausfielen, schließlich waren für die Prüfung die nationalen Aufseher verantwortlich und nicht eine einheitliche europäische Institution. Und wer destabilisiert in diesen unruhigen Zeiten schon gerne sein eigenes Finanzsystem? Aber das war nicht das einzige Manko der Tests. Die Prüfer nahmen vor allem die Kapitalausstattung unter die Lupe. Die Gefahr einer akuten Liquiditätskrise blieb dagegen weitgehend außen vor, obwohl spätestens der Kollaps von Lehman Brothers gezeigt hat, dass hier die eigentlichen Unwägbarkeiten für die Stabilität des Finanzsystems lauern. Liquiditätsreserven lassen sich zwar nicht so leicht und eindeutig messen wie die Kapitalausstattung, aber die europäischen Aufseher hätten zum Beispiel prüfen können, welche Teile ihres Vermögens die Banken im Notfall schnell zu Geld machen können oder wie groß der Bestand an Wertpapieren ist, die als Sicherheit für Refinanzierungsdarlehen durch die Europäische Zentralbank taugen.

Am Ende bleibt wohl nur die nüchterne Erkenntnis, dass sich Vertrauenskrisen nicht simulieren lassen. Sobald die Angst die Märkte erfasst, kann, was gestern noch als solide finanziert und liquide galt, plötzlich hochriskant sein. Auch das beweist die irische Bankenkrise: Noch vor wenigen Wochen hielt die Notenbank des Landes eine harte Kernkapitalquote von acht Prozent für die führenden Geldhäuser für ausreichend, inzwischen glauben die Aufseher, dass es schon zwölf Prozent sein müssten.

  • 30.11.2010, 16:05 UhrAnonymer Benutzer: Observer

    Es wurde meinere Erinnerung nach bei diesem "Stress"-Test von Vornherein ausgeschlossen, dass es Staatspleiten im Euroraum geben könnte. Wie aussagekräftig sollen diese Tests also gewesen sein? Es waren keine wirklichen Tests, sondern eine Art Marketingaktion der Eurozone. Nun, wenn das Marketing zu Ende geht, fängt die Realität an. bitter für uns Steuerzahler.

  • 30.11.2010, 15:57 UhrAnonymer Benutzer: Poldi 0824

    berechtigte Angst!
    in Anbetracht des Schlunz beim Stresstest stellt sich die Frage, welche banken in anderen EU Ländern noch mehr unerkannte Leichen im Keller haben?
    Denn: Wer eimal lügt............

    Schönen Tag noch!

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