City Talk
Wenn aus Bankern Lehrer werden

Was ist ein Optimist? Ein Banker, der sonntagabends fünf Hemden für die nächste Woche bügelt.“ Auf dem Höhepunkt der großen Krise, als die Entlassungswelle mit voller Wucht über die Londoner City hinwegrollte, rettete sich die Finanzgemeinde in Galgenhumor. Doch es gibt auch ein Leben nach der City, entdecken einige gefeuerte Banker.
  • 0

Noch ein Beispiel für Finanzkrisen-Humor gefällig? „Was ist der Unterschied zwischen einer extragroßen Pizza und einem Banker? Eine extragroße Pizza kann eine vierköpfige Familie ernähren.“ Glaubt man den Schätzungen des britischen Thinktanks Centre, dann werden bis Ende 2009 rund 60 000 Menschen ihren Job im Londoner Finanzzentrum verloren haben. Verglichen mit dem Höhepunkt des Booms entspräche das einer Quote von mehr als 15 Prozent.

Aber vielleicht kommt es ja nicht ganz so schlimm. Allmählich scheint der Arbeitsmarkt für Banker wieder anzuspringen. Aber auch die ersten zarten Hoffnungszeichen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die City dauerhaften Schaden erleiden wird. Selbst wenn die Banken ihre Einstellungsstopps nach und nach aufheben, wird eine große Anzahl von Jobs nicht zurückkehren. Einige Geschäftszweige werden sterben, andere noch lange vor sich hinkümmern.

Das muss für die geschassten Banker aber nicht unbedingt eine Katastrophe sein. Viele haben festgestellt, dass es durchaus ein Leben nach der City gibt. Der britische Staat nutzt die Finanzkrise zum Beispiel, um Händler und Banker zu Lehrern umzuschulen. 40.000 Lehrkräfte müssen die Behörden auf der Insel jedes Jahr finden, und bislang blieben vor allem die Stellen für Mathe- und Physiklehrer oft unbesetzt, weil die Uni-Absolventen Geld und Glück lieber in der City suchten.

Das ändert sich jetzt. Seit Ausbruch der Krise sind die Bewerbungen für Lehrerjobs um gut ein Drittel gestiegen. Auch wenn die Umschüler in Zukunft auf Champagner und Sportwagen verzichten müssen. Die Sicherheit eines Lehrergehalts wirkt oft verlockender als die Aussicht auf unsichere Boni – oder wie es eine Ex-Bankerin ausdrückt, die in Zukunft Grundschülern Mathe beibringen wird: „Hätte ich gewusst, wie nett das ist, wäre ich nie in die City gegangen.“

Kommentare zu " City Talk: Wenn aus Bankern Lehrer werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%