City Talk: Wenn es um Boni geht, lügt sich die Politik in die eigene Tasche

City Talk
Wenn es um Boni geht, lügt sich die Politik in die eigene Tasche

Selbst wenn viele Politiker es nicht glauben wollen: Langsam, aber sicher ändert sich die Bonuskultur der Banken. Die fetten Jahre sind bis auf weiteres vorbei.
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Ich habe sehr viel Geld für Frauen, Drinks und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst." Das Zitat stammt nicht von einem in der Finanzkrise verkaterten Investmentbanker, sondern vom nordirischen Fußball-Profi George Best. Dessen Ruf als Lebemann war mindestens so legendär wie seine Fähigkeiten als flinker Flügelflitzer für den britischen Club Manchester United.

Aber Bests Spruch bedient natürlich auch alle Klischees über die Risikojunkies in den Investmentbanken, die vor der großen Krise mit ihrem Gezocke das große Geld verdient haben. Und glaubt man den Politikern, dann hat sich seither nicht viel getan. Erst vor kurzem räumte der ehemalige britische Finanzminister Alistair Darling ziemlich kleinlaut ein, dass die von ihm im vergangenen Jahr verhängte Bonussteuer ein Flop war und das Verhalten der Banken nicht geändert habe.

Damit hat Darling zwar recht, aber eigentlich müsste er wissen, dass das Scheitern seine eigene Schuld war. Denn so wie er die Steuer entwarf, war sie nie dazu geeignet, die Banken zu einer Reform ihrer Bonuskultur zu zwingen. Sonst hätte die Labour-Regierung die Abgabe nicht auf ein Jahr begrenzen dürfen. So hatten die Geldhäuser keinerlei Anreiz, ihre Ausschüttungspraxis grundsätzlich zu überdenken.

Tatsächlich und trotz Darlings Pessimismus hat sich in Sachen Boni bereits eine ganze Menge getan. Eine Studie der Bankenlobby IIF (zugegebenermaßen nicht die unabhängigste Quelle) zeigt, dass sich inzwischen der Großteil der Geldhäuser mit ihren Ausschüttungen am langfristigen Unternehmenserfolg und an den Risiken, die die Banker eingehen, orientieren. Die Lobbyisten räumen allerdings auch ein, dass es in Sachen Transparenz noch großen Nachholbedarf gibt.

In Wirklichkeit geht es Darling mit seiner Kritik weniger um wirtschaftliche Effizienz und die Prävention künftiger Krisen als vielmehr um Verteilungsgerechtigkeit. Den Ex-Finanzminister stört vor allem die absolute Höhe der Boni. Immerhin schütteten die Banken in der Londoner City im vergangenen Jahr acht Mrd. Pfund an ihre Angestellten aus, während die Steuerzahler, die für die Rettung der Banken zur Kasse gebeten wurden, unter den Folgen der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg ächzten.

Aber auch bei der absoluten Höhe der Boni sind Fortschritte in Sicht. Die Bankenaufseher werden die Institute dazu verdonnern, in Zukunft deutlich dickere Kapitalpuffer bereitzustellen, um künftige Beben an den Märkten besser abfedern zu können. Für die Banken heißt das, sie müssen sich auf die ein oder andere Weise viele Milliarden an frischen Mitteln besorgen. Den Banken wird deshalb gar nichts anderes übrigbleiben, als einen größeren Teil ihrer Gewinne einzubehalten, um die Kapitalbasis zu stärken. Und damit bleibt weniger Geld für Dividenden und vor allem für die Boni übrig. Für Darling ist das sicherlich eine gute Nachricht, für die Londoner Sportwagenhändler eher nicht.

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