City Talk
Zahnloser Tiger

Fast könnte einem die britische Finanzaufsicht FSA leidtun. Lange Jahre galten die Regulierer als einer der Garanten für den Erfolg des Finanzplatzes London. Doch seit dem Ausbruch der großen Krise mutierte die Mannschaft um Behördenchef Hector Sants zum Prügelknaben der Nation.

Sants musste sich öffentlich für Fehler bei der Bankenüberwachung entschuldigen, und inzwischen bezweifelt kaum einer mehr, dass der unter dem Motto „light touch“ bekannte liberale Ansatz der FSA der falsche Weg zur Regulierung des Finanzsystems war.

In der vergangenen Woche geriet die FSA erneut ins Kreuzfeuer der Kritik. Kritiker werfen den Aufsehern vor, dass sie beim Verfassen ihres neuen Kodexes zur Reform der Banker-Boni vor der Macht der Finanzlobby eingeknickt sind. Tatsächlich fällt die Endfassung des Kodexes deutlich weicher aus als der erste Entwurf aus dem vergangenen März. Statt konkreter Regeln, die beispielsweise vorschreiben, dass die Boni über einen Zeitraum von drei Jahren gestreckt werden müssen, verlässt sich die FSA jetzt eher auf allgemeine Prinzipien, die sicherstellen sollen, dass die Banker nur für nachhaltigen Erfolg belohnt werden und sich die Ausschüttungen nicht nur am Gewinn, sondern auch am Risiko orientieren.

Das wirkt fast wie ein Rückfall in die Vergangenheit. Denn die britische Finanzaufsicht war bekannt dafür, dass sie ihren Aufsichtsbefohlenen eher allgemeine Prinzipien als konkrete Regeln vorgab. Doch in einem Punkt irren die Kritiker. Die Auseinandersetzung um Regeln oder Prinzipien hat nichts mit dem Thema „light touch“ zu tun. Tatsächlich lassen sich konkrete Regeln sogar leichter umgehen als allgemeine Prinzipien. Würden die Banken statt hoher Erfolgsbeteiligungen einfach die Fixgehälter drastisch erhöhen (was sie teilweise tun), wäre die Regel, dass die Boni über einen längeren Zeitraum gestreckt werden müssen, zwar technisch nicht verletzt, aber de facto ausgehebelt.

Das Problem der FSA war nicht die Orientierung an allgemeinen Prinzipien, sondern die Tatsache, dass sie in der Londoner City als zahnloser Tiger galt, der diese Prinzipien nicht mit Nachdruck durchgesetzt hat. In Zukunft werden sich die Aufseher daran messen lassen müssen, ob sie bereit sind, entschlossen durchzugreifen und den Banken wirklich weh zu tun, wenn es sein muss.

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