City Talk
Zurück in die Vergangenheit

Sind alle Banker Schurken? Oder kann man doch unterscheiden zwischen guten und bösen Geldmenschen? Vielleicht sogar zwischen guten und bösen Banken, zwischen solchen, die die Grundversorgung der Wirtschaft mit Geld- und Kredit sichern, und solchen, die dem Spielteufel anheim fallen, üblen Zockern, die sich dem Casino-Kapitalismus verschrieben haben?

Sind alle Banker Schurken? Oder kann man doch unterscheiden zwischen guten und bösen Geldmenschen? Vielleicht sogar zwischen guten und bösen Banken, zwischen solchen, die die Grundversorgung der Wirtschaft mit Geld- und Kredit sichern, und solchen, die dem Spielteufel anheim fallen, üblen Zockern, die sich dem Casino-Kapitalismus verschrieben haben?

Solche Gedanken stecken hinter der Diskussion über eine Wiederbelebung oder einer Neufassung des Glass Steagall Acts. Das nach zwei Parlamentariern benannte Gesetz wurde von den USA nach der großen Depression der 30er-Jahre eingeführt, um den Wildwuchs des Bankenwesens einzudämmen. Zu den Kernpunkten gehörte die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken. Endgültig aufgehoben wurde der Glass Steagall Act erst in den 90er-Jahren von Präsident Bill Clinton.

Auf den ersten Blick scheint nach dem Desaster der vergangenen Monate einiges für den Wiederaufbau der Mauer im Bankwesen zu sprechen. Schließlich könnte man so versuchen, das "Grundversorgungs-Banking", das für das Wohlergehen der Wirtschaft so wichtig ist, vom riskanten Investment-Banking zu trennen, das die Finanzwelt ins Unglück gestürzt hat.

Doch tatsächlich haben die vergangenen Monate bewiesen, dass solche Versuche blauäugig sind. Bestes Beispiel dafür ist der Kollaps von Lehman Brothers. Lehman war eine reinrassige Investmentbank, aber als Geschäftspartner so eng mit dem Rest der Finanzwelt verwoben, dass sich die Einschätzung des damaligen US-Finanzminister Hank Paulson, Lehman sei nicht systemrelevant und könne ruhig in die Pleite rutschen, als die größte Fehleinschätzung der Finanzkrise erwiesen hat.

Aber nicht nur deshalb würde Glass Steagall heute nicht mehr funktionieren. Dank Globalisierung und Liberalisierung der Finanzmärkte lassen sich Universal-Banking und Investment-Banking nicht mehr trennscharf auseinanderhalten. In den vergangenen Jahren sind eine Vielzahl an komplexen (und sinnvollen) Finanzprodukten entstanden, die auch Universalbanken zwingen, wie eine Investmentbank zu agieren und ins Risiko zu gehen. Das Motto "zurück in die Vergangenheit" mag auf den ersten Blick verführerisch aussehen. Aber einen echten Beitrag zur Lösung der Krise liefert die Sehnsucht nach geordneteren Zeiten nicht.

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