Close Brothers
Close ist noch nicht so weit

Vor vier Monaten hatte Close Brothers eine Offerte über 950 Pence je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen. Jetzt werden ihre Aktien mit 590 Pence gehandelt und die Merchant Bank hat viel Boden gut zu machen. Close muss grundlegend umstrukturiert werden. Aber CEO Colin Keogh scheint keinen klaren Umbauplan zu schmieden.

Zwischen Selbstsicherheit und Anmaßung besteht ein feiner Unterschied. Close Brothers, die britische Merchant Bank, muss zeigen, welche Beschreibung auf sie zutrifft. Im November hatte die Bank ein Gebot über 950 p je Aktie als unangemessen zurückgewiesen. Jetzt, nachdem sich die nachfolgenden Übernahmeverhandlungen zerschlagen haben, bewegen sich die Aktien fast auf einem Fünfjahrestief von 590 p. Close Bros. hat alle Hände voll zu tun, um zu beweisen, dass ihre Verteidigung einer unabhängigen Zukunft gerechtfertigt war – und nicht nur hohle Angeberei.

Der Chef der Bank, Colin Keogh, ist bei der Vorlage der Zwischenergebnisse in der vergangenen Woche nicht näher auf eventuell geplante Umbaumaßnahmen eingegangen. Den Rückgang des Gewinns in den vergangenen sechs Monaten um 29 Prozent bezeichnete er großzügig als stabil. Forderungen nach einer völligen Aufspaltung, nach einem Teilverkauf oder nach einer Rückgabe von liquiden Mitteln an die Investoren wischte er beiseite.

Es mag jetzt auch nicht gerade der günstigste Zeitpunkt für den Verkauf von Finanzunternehmen sein. Vielleicht hat Keogh ja deshalb Recht, wenn er diese Option nicht verfolgt. Es könnte auch durchaus clever von ihm sein, wenn er die Bilanz nicht durch die Zahlung einer Sonderdividende schwächt. Aber der Status Quo reicht nicht aus, um Close Bros. neuen Schwung zu geben. Keogh sprach von rigorosem Kapitalmanagement und von Kostensenkungen, aber nur in der unverbindlichen Art und Weise, wie dies alle Manager – schwach oder stark – gerne tun. Die Bank muss ein bisschen von ihrem hierarchischen Stolz herunterkommen.

Close Bros. hat zufrieden ihre Handels-, Bank-, Vermögensverwaltungs- und Beratungsgeschäfte unabhängig voneinander betrieben. Das war auch in Ordnung, solange die Zeiten noch gut waren. Aber in einem schwierigeren Umfeld sollte die Bank aktiv nach Möglichkeiten Ausschau halten, die Bereiche enger miteinander zu verzahnen. Vielleicht könnte sie Synergien zwischen dem Bankgeschäft und dem Asset Management schaffen, oder sich eine Maklerabteilung zulegen, um die Bereiche Handel und Corporate Finance zu verbinden.

Keogh, der schon seit 23 Jahren bei der Bank seinen Dienst versieht, könnte sich schwer damit tun, die Tradition aufzuheben. Aber er verdient noch ein wenig Zeit, damit er die Notwendigkeit für einen Kurswechsel akzeptieren kann. Was die Bezahlung angeht, hat er die Zeichen der Zeit schon erkannt. Wie Andy Stewart, der als Erster Close Bros. kaufen wollte, vorgeschlagen hatte, plant Keogh jetzt, mehr Mitarbeiteraktien auszugeben. Das wird dazu beitragen, gute Mitarbeiter zu halten und neue an Bord zu holen – aber nur, wenn die Aktien auch steigen.

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