Colonial
Vielleicht nur ein Bluff

Die Verhandlungen zwischen dem Staatsfonds von Dubai und den Gläubigerbanken der am Rand der Insolvenz stehenden spanischen Immobiliengruppe Colonial sind abgebrochen worden. Dies muss nicht gleich das Ende einer möglichen Übernahme bedeuten. Aber Dubai wird mehr Zugeständnisse machen müssen.

Die ganz spezielle Hölle der Colonial-Aktionäre ist plötzlich noch ein wenig heißer geworden. Die spanische Immobiliengruppe, die vor einem Monat noch drei Mrd. Euro wert war und zwei Wochen später nur noch zwei Mrd. Euro, erreichte zuletzt gerade noch etwas über eine Mrd. Euro. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gespräche zwischen ihren Gläubigerbanken und dem potenziellen Käufer, der Investment Corporation of Dubai (ICD), in der vergangenen Woche abgebrochen worden. Kurz davor hatten die Mehrheitsaktionäre von Colonial noch eingewilligt, dass ICD die Kontrolle über die rentablen Mietbereiche der Immobiliengesellschaft übernehmen kann, auf die fast das gesamte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen entfällt.

Angesichts des Zustands der spanischen Immobilienbranche wird es schwer werden, mit einer Marktkapitalisierung über 1,2 Mrd. Euro und Verbindlichkeiten über neun Mrd. Euro eine eigenständige Gesellschaft zu bleiben. Es sieht ganz so aus, als ob die vier maßgeblichen Gläubigerbanken von Colonial nicht damit einverstanden waren, die strengen Konditionen des Staatsfonds aus Dubai für die Anschlussfinanzierung einzuhalten. Die Banken sind mit einen syndizierten Kredit über 6,5 Mrd. Euro bei der Gruppe engagiert, wovon eine Mrd. Euro schon im kommenden Jahr fällig wird. Und die Aktionäre von Colonial haben sich anscheinend auf die Seite der Gläubiger geschlagen.

Die Banken haben sich auch geweigert, einer Klausel zuzustimmen, die einige Beobachter als “Gratisoption” für Dubai bezeichnen. Damit könnte sich der Fonds innerhalb von neun Monaten nach dem Abschluss aus dem Deal verabschieden. Einige deuten an, dass mehr aus einem Insolvenzverfahren herauszuholen wäre, bei dem die immer noch gehaltvollen Vermögenswerte von Colonial verkauft werden würden.

Aber das muss jetzt nicht gleich das Ende des Dramas bedeuten. Einige der Kommentare sind nichts weiter als Inszenierungen, die einer jeden guten Verhandlung inne wohnen. Möglich, dass Dubai es sich leisten könnte, einige seiner Forderungen aufzugeben. Aber jene wären wahrscheinlich gar nicht erst erhoben worden, wenn sich die Kreditbedingungen nicht derart verschlechtert hätten, dass Colonial zu einer riskanteren Akquisition geworden war.

Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches wollen sich vielleicht die Gläubigerbanken die politischen Konsequenzen ersparen, die daraus erwachsen könnten, dass mit Colonial die erste bedeutende Immobiliengruppe Spaniens Pleite gehen würde. Es besteht also immer noch entfernt die Möglichkeit, dass eine der beiden Seiten doch noch blinzelt. Die Aktionäre von Colonial dürften allerdings auch davon nicht allzu viel haben.

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