Comcast
Der Fluch des Pfaus

Comcast-Chef Brian Roberts darf sich endlich Medienmogul nennen. Der Kabelbetreiber wird die Kontrolle über NBC Universal von GE übernehmen. Für die Aktionäre von Comcast hat damit das jahreslange Warten endlich ein Ende. Doch wie die Eigentümer Vivendi und GE erfahren mussten, haben sich transformative Deals um Vermögenswerte von NBC nicht immer allzu positiv entwickelt.
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Der Chef von Comcast, Brian Roberts, ist endlich zum ausgewachsenen Medienmogul geworden. Seitdem er 2004 sein abenteuerliches Gebot für Disney präsentiert hatte, hingen die Aktionäre des US-Kabelbetreibers in der Luft. Nun hat das Warten ein Ende: Roberts hat einen Deal abgeschlossen, bei dem er die Kontrolle über NBC Universal (NBCU) von General Electric (GE) übernimmt. Aber wie Vivendi und danach GE erfahren mussten, sind transformative Abschlüsse, die sich um NBCU-Vermögenswerte ranken, nicht immer allzu positiv verlaufen.

Comcast behauptet - mit einigem Recht -, dass es dieses Mal anders laufen wird. Zum einen geht die von der Roberts-Familie kontrollierte Gruppe in einem von den Käufern dominierten Markt auf Streifzug. Und Comcast erwirbt nicht nur ein Medienunternehmen in der Talsohle des Abschwungs der Wirtschaft und des Werbemarkts. Der Kabelbetreiber hat darüber hinaus den Vorteil, dass er dabei auf willige Verkäufer trifft.

GE muss sein Kapital und die Aufmerksamkeit des Managements auf seine angeschlagene Finanzdienstleistungssparte und seine Kernbereiche der industriellen Infrastruktur umlenken. Vivendi, die mit 20 Prozent an NBCU beteiligt ist, braucht das Geld für ihre großen Telekom-Vorhaben in Brasilien und anderswo.

Daher zahlt Comcast einen vernünftigen Preis. Allein die Kabelbereiche NBCU rechtfertigen einen Wert von mindestens 22 Mrd. Dollar - bei einem Gesamtwert von 30 Mrd. Dollar für NBCU, basierend auf einem Vielfachen des Cash Flow, das unter dem liegt, welches Scripps jüngst für den Travel Channel gezahlt hat. So zahlt Comcast wohl nur acht Mrd. Dollar für den profilierteren Fernsehbereich und die Universal-Filmstudios und die Themenparks - allesamt Vermögenswerte, die von den vorhergehenden Eigentümern hoch geschätzt wurden und teuer erworben worden waren.

Der Abschluss ist zudem so strukturiert, dass die Gefährdung der Kabelgruppe begrenzt bleibt. Diejenigen, die die neuen NBCU-Schuldtitel über 9,1 Mrd. Dollar bereitstellen - deren Erlöse für die Bezahlung von GE eingesetzt werden sollen -, werden sich für eine Rückzahlung nicht an Comcast wenden können. Und da die einzige Cash-Auslage der Firma bei dem Deal darin besteht, GE 6,5 Mrd. Dollar für eine Aufstockung der Anteile zu zahlen, kann Comcast seine erstklassige Bonitätsbewertung behalten.

Auch der Prozess, mit Hilfe dessen Comcast die 49 Prozent an NBCU, die sie anfänglich nicht innehaben wird, von GE kaufen kann, bietet der Kabelgesellschaft Schutz. Dem Preis wird ein angemessener Marktwert zugrunde gelegt und wenn er den Betrag überstiegt, den Comcast jetzt für die 51 Prozent zahlt, dann wird sich das Unternehmen den Aufschlag mit GE teilen.

Der Feuereifer, den Comcast an den Tag legt, mag sich nicht allzu sehr von der Begeisterung unterscheiden, die GE für das Fernsehen und Vivendi für Hollywood empfanden, als sie die Vermögenswerte kauften, die heute NBCU ausmachen. Keines der Unternehmen hat es geschafft, ihren anfänglichen Enthusiasmus in eine erfolgreiche Langzeitbeziehung zu verwandeln. Wenigstens hat die lange Wartephase Roberts die Chance eingeräumt, die Aktionäre von Comcast in gewissem Umfang gegen eine mögliche Ernüchterung abzuschirmen.

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