Comcast/NBC
Erst Disneyland, jetzt 30 Rock

Comcast-Chef Brian Roberts sehnt sich schon seit fünf Jahren danach, endlich den Status eines Medienzaren zu erreichen. Roberts hatte 2004 opportunistisch Jagd auf Disney gemacht, jetzt könnte er es auf Teile von NBC abgesehen haben. Doch er konnte seine Aktionäre damals schon nicht davon überzeugen, für Disney einen Aufpreis zu zahlen. Und es gibt keinen Grund, warum dies bei NBC anders sein sollte.
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Der Chef von Comcast Corp, Brian Roberts, sehnt sich schon seit fünf Jahren nach einem Deal, der sich um Inhalte dreht. Im Jahr 2004 hatte der Boss des US-Kabelbetreibers opportunistisch Disney nachgestellt. Jetzt könnte er ein Auge auf Teile von NBC Universal, der Tochter von General Electric (GE), geworfen haben, um seine Medienkompetenzen auszuweiten. Das Problem dabei ist nur, dass es ihm schon damals nicht gelungen war, seine Aktionäre davon zu überzeugen, dass Comcast einen Aufpreis für Disney zahlen sollte - und es gibt keinen Grund dafür, dass dies bei NBC anders laufen sollte.

Das soll nicht heißen, dass ein Deal allseits unerwünscht wäre. Der französische Medien- und Telekomkonzern Vivendi hätte einen Käufer für seinen 20prozentigen NBC-Anteil gefunden, den die Franzosen möglicherweise abstoßen wollen. Und wenn Comcast schließlich das gesamte Medienunternehmen kaufen wollte, würde dies GE einen möglichen Weg für den Ausstieg bereiten.

Aber so recht scheinen sich die Comcast-Aktionäre nicht mit dem Abschluss anfreunden zu können. Die Aktien des Kabelunternehmens zeigten sich am Donnerstag im Mittagshandel um sieben Prozent gedrückt. Es gibt mehrere mögliche Gründe für die mangelnde Begeisterung. Comcast hatte jüngst verlauten lassen, dass die Firma kein Geld aufnehmen oder neue Aktien dafür ausgeben wolle, um in nächster Zeit inhaltsbezogene Transaktionen vorzunehmen. Aber das Unternehmen verfügt nur über liquide Mittel von vier Mrd. Dollar - das wird knapp werden, um den Anteil von Vivendi zu kaufen, wenn NBC als Ganzes auf wahrscheinlich 20 Mrd. Dollar geschätzt wird.

Abgesehen davon, dass Comcast möglicherweise seine Bargeldbestände stark antasten müsste, würde sich das Unternehmen auch dem Trend widersetzen, den Vertrieb und die Inhalte zu trennen - ein Trend, der sich für die Aktionäre anderer Unternehmen günstig ausgewirkt hat. Time Warner hatte die Aufspaltung seiner Kabel- und Content-Geschäfte Anfang dieses Jahres abgeschlossen und die Titel von Time Warner Cable sind um fast 60 Prozent vorgeprescht. Und Cablevision hat jüngst Pläne vorgestellt, seinen Stall an Sportmannschaften von den Vertriebsvermögenswerten abzutrennen. Die Aktien des Unternehmens haben um etwa 20 Prozent zugelegt.

Selbst wenn es Aktionäre gibt, die die Idee begrüßen, den Unternehmensmix um Inhalte zu ergänzen, würde Comcast wahrscheinlich doch erst einmal nur mit einer Minderheitsbeteiligung bei NBC einsteigen. Und es würde wahrscheinlich teuer werden, den Anteil auf ein Niveau zu hieven, bei dem Comcast die Kontrolle erreicht.

Im Jahr 2004 hatte Roberts eine unerwünschte Übernahme-Offerte für Disney zu einem niedrigen Aufschlag vorgelegt, während das Unternehmen gerade alle Hände voll damit zu tun hatte, eine Aktionärsmeuterei abzuwehren. Aber Comcast ließ das Gebot letztendlich fallen. Offensichtlich war das Management nicht in der Lage gewesen, die Aktionäre von der Logik zu überzeugen, einen Preis zu zahlen, der Disney genehm gewesen wäre. Und selbst wenn die Beteiligung an NBC anfänglich noch gering wäre, könnte Comcast letztendlich wieder vor einem ähnlichen Problem stehen.

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