Constellation/EDF
Stromerzeuger in der Klemme

Constellation Energy musste etwas tun. Aber anstatt sich billig in Warren Buffetts Arme zu werfen, ist sie lieber eine Verbindung mit dem französischen Energieriesen EDF eingegangen. Der neue Abschluss impliziert auf dem Papier einen viel höheren Wert, aber das Risiko tragen die Aktionäre von Constellation – wobei keine schnelle Belohnung in Sicht ist.

Das Management von Constellation Energy versucht, das Beste aus einer verfahrenen Situation zu machen. Die Energiegruppe war im September in eine Liquiditätsklemme geraten, die ihre Aktie innerhalb einer Woche um 50 Prozent sinken ließ. Um schnell an Geld zu kommen, stimmte die Firma einem Verkauf zu Schleuderpreisen an MidAmerican Energy zu, die Warren Buffett gehört. Doch jetzt hat sie sich aus dem Deal verabschiedet, um sich mit dem französischen Energieriesen EDF zusammen zu tun.

Auf den ersten Blick scheint der Abschluss mit EDF der Bessere zu sein. Im Grunde bieten die Franzosen 4,5 Mrd. Dollar für einen Anteil von 49,9 Prozent an der Nuklearenergie-Tochter des Unternehmens. Barclays geht davon aus, dass die anderen Bereiche von Constellation etwa 10,4 Mrd. Dollar wert sind. Rechnet man nun die 4,5 Mrd. Dollar hinzu, die durch die Offerte von EDF für die Hälfte der Nukleartochter impliziert werden, dann könnte das Geschäft des Stromerzeugers 14,9 Mrd. Dollar wert sein. Nun zieht man Nettoverbindlichkeiten über etwa fünf Mrd. Dollar und 700 Mill. Dollar in bar ab, die Constellation an Buffett für die Aufkündigung des Deals zahlen muss, und es ergibt sich für die Aktionäre von Constellation ein Wert von rund 9,2 Mrd. Dollar oder 51 Dollar je Aktie.

Das ist weit mehr, als die 26,50 Dollar je Aktie in bar, die Buffett den Constellation-Aktionären unterbreitet hatte. Trotzdem trieben die Investoren am Mittwoch die Kurse um 20 Prozent auf 23 Dollar nach unten - und damit unter das Niveau von Buffetts Offerte. Ein Grund dafür könnte darin bestehen, dass die Investoren, die auf eine Deal-Arbitrage gesetzt hatten, sich aus der Aktie zurückgezogen haben. Aber auch langfristig orientierte Aktionäre haben Anlass zur Skepsis.

Zusätzlich zu der Gebühr für die Aufkündigung des Abschlusses erhält MidAmerican einen Anteil von zehn Prozent an der Firma. Was die bestehenden Aktionäre von Constellation angeht, werden durch diese Verwässerung zehn Prozent des Werts des EDF-Deals praktisch ausgelöscht. Darüber hinaus erhalten sie keinen Baranteil - vielmehr dürfte die Dividende gekürzt werden. Also müssen sie sich auf das Risiko einlassen, dass das Management die Liquiditätsspritze von EDF über 4,5 Mrd. Dollar in künftige Gewinne und Dividenden ummünzen kann.

Auch dass der Deal von den zuständigen US-Behörden überhaupt genehmigt wird, ist nicht eindeutig. Und schließlich werden die Aktionäre kein Stimmrecht erhalten. Einige von ihnen waren der Meinung, Buffett habe nicht genug geboten und dass es finanziell sinnvoll ist, sich auf EDF einzulassen. Trotzdem werden einige Aktionäre berechtigterweise beklagen, dass sie gar keine Gelegenheit hatten, darüber abzustimmen, ob sie einen billigen Deal mit Buffet oder einen riskanteren mit der EDF vorziehen.

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