Containerschifffahrt
AP Moller Maersk: Frustkäufe

Maersk rüstet sich für Akquisitionen, obwohl die größte Containerschifffahrtslinie der Welt erst vor ein paar Tagen über einen Halbjahresverlust von 548 Mill. Dollar berichtet hatte. Doch die Aktienplatzierung der Firma über 1,6 Mrd. Dollar könnte auch auf eine tiefer gehende Verunsicherung über die Finanzierungsmöglichkeiten hindeuten – und über die Aussichten für die gesamte Schifffahrtsindustrie.
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Wenn man so richtig am Boden ist, geht doch nichts über einen schönen Einkaufsbummel. Es sieht ganz so aus, als wolle sich AP Moller Maersk für Akquisitionen rüsten, obwohl das dänische Schifffahrts- und Ölkonglomerat erst vor ein paar Tagen über einen Verlust von 548 Mill. Dollar im ersten Halbjahr berichtet hatte.

Doch die überraschende Ankündigung einer Aktienplatzierung über 1,6 Mrd. Dollar könnte auch auf eine tiefer gehende Verunsicherung über die Finanzierungsmöglichkeiten - und die Aussichten für die gesamte Transportindustrie - hindeuten.

Die neuen Aktien, die die Marktkapitalisierung des Unternehmens um rund fünf Prozent ausweiten, wurden zu einem Abschlag um 10,6 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Aktien vom Dienstag verkauft. Die Gruppe, die zu den finanziell konservativsten der Branche zählt, will sich unbedingt vor finanziellen Schwierigkeiten hüten. Doch gleichzeitig will die Firma auch attraktive Investitionsgelegenheiten ergreifen, die sich ihrer Erwartung nach einstellen werden, da die Wirtschaftskrise immer stärker auf angeschlagenen Konkurrenten lastet.

Eine Kriegskasse für Akquisitionen aufzubauen, mag nun nicht gerade wie der richtige Weg nach vorn erscheinen. Lässt man einmal den therapeutischen Nutzen eines Einkaufsbummels beiseite, dann erweckt die Entscheidung für eine Kapitalerhöhung ernste Zweifel an der Verfassung der Schifffahrtsindustrie.

Zum einen unterstreicht der Schritt die zunehmend pessimistische Einstellung der Gruppe gegenüber den Containerschifftransporten. Maersk-Chef Nils Anderson sagte jüngst, die Malaise der Branche habe historische Ausmaße angenommen. Jetzt will er die Unternehmensbereiche Erdöl und Erdgas ausbauen. Als Strategiewechsel kann man das noch nicht bezeichnen, aber zumindest kann sich Maersk so gegen die Risiken der Containerschifffahrtssparte absichern.

Maersk macht sich zudem Sorgen um die Bilanz. Die Nettoverbindlichkeiten der Gruppe dürften zum Jahresende das 3,4fache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen erreichen. Doch die durchschnittliche Laufzeit der Kreditfazilitäten der Firme beträgt etwa fünf Jahre, es bestehen keine Auflagen und vor 2012 steht auch keine größere Refinanzierung an. Trotzdem ist Maersk immer noch wegen dem weiteren Druck auf die Ergebnisse besorgt. Fast die Hälfte des Umsatzes entfällt weiterhin auf den Containerschifffahrtsbereich.

Und vielleicht will Maersk letztendlich Anleihen emittieren. Das neue Eigenkapital über 1,6 Mrd. Dollar macht die Gruppe zu einem attraktiveren Emittenten. Aber die Kapitalerhöhung legt auch nahe, dass Maersk immer noch Angst hat, die Finanzmärkte könnten wieder einfrieren.

Maersk wird aus der Platzierung vermutlich enorm gestärkt hervorgehen. Verglichen mit Konkurrenten, die noch viel stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist das Unternehmen in einer guten Ausgangslage, um zuzuschlagen. Doch die Ängste der Gruppe bedeuten nichts Gutes für die Branche.

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