Conti
Die Milliarden-Dollar-Frage

Um das feindliche Gebot der Schaeffler-Gruppe abzuwehren, muss der deutsche Reifenhersteller ein schwieriges Problem lösen: Wie er mit den Banken umgehen soll, die im Zuge einer komplexen Absicherung 28 Prozent der Conti-Aktien halten. Ein unkonventioneller weißer Ritter könnte genau das Richtige sein.

Was sollte die Continental AG als nächstes tun? Der deutsche Reifenhersteller kämpft gegen ein feindliches Übernahmeangebot der im Familienbesitz befindlichen Schaeffler-Gruppe. Das Problem ist nicht nur, dass Schaeffler knauserig ist, sondern dass eine Gruppe nicht bekannter deutscher Banken 28 Prozent der Conti-Aktien als Sicherung für Derivate hält, die Schaeffler heimlich gekauft hat.

Diese Aktien sind derzeit aus dem Spiel. Dies ändert sich aber, wenn Schaeffler sich entscheidet, seine Derivatepositionen aufzulösen. Die Banken werden wohl kaum langfristig Conti-Aktien halten wollen. Eine Auflösung der Derivateposition würde den Banken die Möglichkeit geben, ihre Absicherung abzustoßen, wahrscheinlich durch eine Ausschreibung neben dem Schaeffler-Gebot.

Damit wird es für Conti unerlässlich, eine rivalisierende Offerte von jemand anderem aufzutreiben. Die Banken würden wohl rivalisierende Gebote für das ganze Unternehmen oder auch für Teile davon akzeptieren, wenn der Preis über dem des Schaeffler-Gebots liegt. Versagen die Banken dabei, könnte dies andeuten, dass die Swap-Tauschgeschäfte nicht per Barausgleich erfolgen, wie Schaeffler dies behauptet. Damit könnte die Familie gegenüber dem Regulator in Schwierigkeiten geraten.

Conti hat schon einige Anfragen, sagt eine mit der Situation vertraute Person. Doch von wem? Autoherstellern geht es gerade nicht besonders gut, wie Daimlers schockierende Gewinnwarnung vom 24. Juli beweist. Nebenbei: Contis Kunden würden es wohl nicht schätzen, wenn einer ihrer Rivalen einen großen Anteil an dem Autoteileproduzenten übernimmt. Rivalisierende Elektronikfirmen wie Bosch könnten wettbewerbsrechtliche Probleme bekommen.

Ein besserer Bieter könnte ein freundlicher Milliardär sein. Conti wird sehr sorgfältig auswählen müssen. Die Gewerkschaften scheinen Schaeffler zu tolerieren, weil die Familie sagt, dass sie Conti nicht zerlegen will. Doch es ist viel privater Wohlstand im Umlauf, zum Beispiel bei den Rohstoff-Mogulen der Schwellenländer. Oleg Deripaska, der russische Metallbaron, hat bereits extensiv in Autoteile investiert. Der Stahlmagnat Alexei Mordaschow hält einen Anteil an Tui, dem deutschen Reiseunternehmen. Außerdem gibt es neben den Schaefflers laut Forbes in Deutschland noch 54 weitere Milliardäre. Einige von ihnen könnten glücklich damit sein, einer deutschen Ikone aus der Patsche zu helfen.

Und dann ist da noch Lakshmi Mittal, der indische Stahlkrösus, der sich einen Platz in Europas Wirtschaftselite durch die Übernahme von Arcelor gesichert hat. Sein Stahlimperium verkauft 15 Prozent seines Ausstoßes an die Autoindustrie, und Mittal sitzt zufällig im Verwaltungsrat von Goldman Sachs, dem Conti-Berater. Ein Bieter vom Schlage Mittals könnte aus der Übernahme in der Hölle eine im Himmel geschlossene Hochzeit machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%