Conti
Eingebildete Feindschaft

Conti wird das feindliche Übernahme-Angebot von Schaeffler über 11,5 Mrd. Euro nicht mit leichter Hand vom Tisch fegen können. Und vielleicht ist der Autozulieferer dazu auch gar nicht gezwungen. Für Schaeffler könnte sich eine vollständige Übernahme leicht in ein Eigentor verwandeln. Beide Seiten haben gute Gründe, einen Waffenstillstand auszurufen - und für die Aktionäre wäre dies nicht das Schlechteste.

Für die Continental AG wird es nicht einfach, sich gegen die feindliche Übernahme der Schaeffler Gruppe zur Wehr zu setzen. Es geht ja nicht nur darum, dass sich der Wälzlagerproduzent über Derivate bereits den Zugriff auf einen Anteil von 36 Prozent an dem Automobilzulieferer gesichert hat. Vielmehr könnte es sein, dass Conti den Kampf gegen einen Gegner aufnimmt, der sich bereits dazu entschlossen hat, zu verlieren.

Es sieht so aus, als ob das Gebot von Schaeffler über etwa 70 Euro je Aktie, das unter dem derzeitigen Aktienkurs liegt, so angelegt ist, um gerade genug Aktien einzusammeln, damit sich die Gruppe über die Schwelle von 30 Prozent schwingen kann, gemäß der sie nach dem Übernahmegesetz eine vollständige Offerte vorlegen muss. Schaeffler muss nicht höher gehen, um ihr erklärtes Ziel zu erreichen, eine gigantische, mit Fremdkapital finanzierte Wette auf Conti abzuschließen. Und warum sollte sie jetzt drauflegen, wenn sie ihren Anteil in Zukunft erhöhen kann - und zwar jederzeit, wenn die Aktien anfangen, billig auszusehen?

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Schaeffler es vorziehen könnte, dass die Offerte schief geht. Conti direkt zu kaufen, sieht kostspielig aus. Das große Problem sind nicht die Aktien selbst - Schaeffler hat feste Finanzierungszusagen für die Eigenkapitalkomponente der Offerte über elf Mrd. Euro. Aber ein großer Teil der Verbindlichkeiten von Conti über elf Mrd. Euro müsste refinanziert werden, wenn sich die Mehrheitsverhältnisse formell änderten. Das würde im gegenwärtigen Marktumfeld teuer werden. Und die Banken, die über die größten Kapazitäten bei der Kreditvergabe vorfügen, beraten fast alle Conti.

Conti hat Recht, wenn sie sich umschauen will, ob sie für die Aktionäre einen besseren Deal herausschlagen kann. Auch wenn Schaeffler vorerst beteuert, sich nicht in die Strategie von Conti einmischen zu wollen, könnte sie ihre Meinung später ändern, wenn sie erst einmal einen großen Aktienblock unter ihre Kontrolle gebracht hat. Aber die Defensivmaßnahmen, die gerade diskutiert werden - den Markt mit neuen Aktien zu überfluten oder einen wohlhabenden Konkurrenten zum Kauf eines Anteils zu ermutigen - wären für die Aktionäre offensichtlich nicht so schön - oder effektiv, wenn man einen Aktionär mit einer 36prozentigen Beteiligung verabschieden will.

All dies legt nahe, dass es Spielraum für einen Waffenstillstand gibt. Das Beste wäre es, wenn Schaeffler sich offiziell dazu verpflichten würde, die Strategie von Conti nicht anzutasten - und wenn Conti einwilligen würde, dem Wälzlagerhersteller das Leben nicht unnötig schwer zu machen, indem sie zum Beispiel die Dividenden zurückhält, von denen die Finanzierung von Schaeffler vermutlich abhängt. Wenn die Konjunktur ins Stocken gerät, ist es vielleicht gar nicht so schlecht, einen großen neuen Aktionär zu haben - besonders wenn die Alternative in einer ausgedehnten und unangenehmen Pattsituation besteht.

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