Conti-Übernahme: Schaeffler versinkt in Schulden und Zwietracht

Conti-Übernahme
Schaeffler versinkt in Schulden und Zwietracht

Die Übernahme von Continental durch die Schaeffler-Gruppe hat sich als neunmalklug herausgestellt. Im vergangenen Jahr hatte Schaeffler zwölf Mrd. Euro aufgenommen, um sich klammheimlich die Kontrolle über den Autozulieferer zu sichern. Jetzt sackt der Wert beider Unternehmen ab und es ist nicht klar, wie die Schaeffler-Gruppe ihren Verbindlichkeiten nachkommen will.

Maria-Elisabeth Schaeffler muss sich nach der Einfachheit der Kugellager zurücksehnen. Die Unternehmerin hat im vergangenen Jahr für zwölf Mrd. Euro den Autozulieferer Continental AG übernommen - klammheimlich und unter Zuhilfenahme ausgeklügelter Derivatekonstruktionen. Zwar hat die Schaeffler-Gruppe bei dem Deal die Kontrolle über Conti davongetragen und sich damit immer weiter von ihren Ursprüngen als Wälzlagerhersteller wegbewegt, doch der Markt hat sich gerächt. Jetzt versinkt das einst als umsichtige Familienimperium in Schulden und Zwietracht.

Die Stimmung bei Conti ist zum Zerreißen gespannt. Nur Wochen nachdem sich Schaeffler 49,9 Prozent der Aktien gesichert hatte, wurde verkündet, dass der Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg und der Finanzchef Alan Hippe ihre Ämter niederlegen. Schaeffler hatte von Grünberg öffentlich bezichtigt, die Pläne für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Firmen zu sabotieren - auch wenn sie sich industriell fast gar nicht überschneiden.

Doch das eigentliche Schlachtfeld ist die Börse. Der Aktienkurs von Conti ist auf nur noch ein Fünftel der 75 Euro gefallen, die Schaeffler gezahlt hatte. Die Autoindustrie fährt gerade an die Wand. Der Lkw- und Pkw-Absatz bricht ein und die Autobauer berichten allein für Dezember über Rückgänge von bis zu 30 Prozent.

Die Schaeffler-Gruppe hält sich sehr bedeckt, was ihre Finanzlage angeht. Aber der Zusammenbruch des Autogeschäfts muss das Unternehmen schwer mitgenommen haben. Die Familie hatte etwa sechs Mrd. Euro aufgenommen, um Aktien an einem Unternehmen mit Verbindlichkeiten über zehn Mrd. Euro zu kaufen. Diese Papiere sind jetzt rund 1,2 Mrd. Euro wert. Schaeffler wird diese Lücke über fünf Mrd. Euro mit alternativen Sicherheiten finanzieren müssen - die wahrscheinlich ihre eigenen, nicht notierten Anteile umfassen dürften. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Conti in Schwierigkeiten steckt. In der vergangenen Woche musste der Autozulieferer die Dividende kappen, um seine eigenen Kapitalgeber zu beschwichtigen. Das trifft auch den Halbeigentümer Schaeffler, der die liquiden Mittel aus den Dividenden braucht, um seinen eigenen Zinszahlungen nachzukommen.

Schaeffler ist nicht die einzige Firma, die einst umsichtig agiert hat und dann neunmalklug sein wollte. Adolf Merckle, ein weiterer deutscher Unternehmer, hat im Januar Selbstmord begangen. Er war nicht mehr in der Lage, seine beträchtlichen Schulden zu bedienen. Auch er war von der Magie der Hebelkraft der Fremdfinanzierung und der Derivate verführt worden. Schaeffler, die zusammen mit Conti über 200 000 Mitarbeiter beschäftigt, ist nach deutschen Maßstäben wahrscheinlich zu groß, um zu scheitern. Das hindert die Firma allerdings nicht daran, zu leichtsinnig zu sein, um Erfolg zu haben.

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