Credit Agricole
Ratlosigkeit in Paris

Die französische Genossenschaftsbankgruppe Credit Agricole erklärt, ihre von der Ramschhypothekenkrise schwer getroffene Investmentbanksparte Calyon „refokussieren“ zu wollen. Doch die Probleme von Calyon begannen weit vor dem Sommer 2007. Eine Verkleinerung der Sparte könnte ihren Verfall noch beschleunigen.

Vor zwölf Jahren versuchte sich Credit Agricole durch die Übernahme der Banque Indosuez erstmals im Investmentbanking. Seitdem wurden fünf Vorstandsvorsitzende für die Sparte bestellt, abgenutzt und gefeuert, am 15. Mai wurde der sechste auf den Schild gehoben. Obwohl die Bank unter den französischen Instituten am schwersten von der Subprime-Krise betroffen war, kann Agricole die Schuld dafür nicht nur einer Führungskraft anlasten, die sich verschätzte und das Haus zu weit von seiner Heimat und dem Kerngeschäft entfernte. Die wichtige Frage ist, ob die französische Genossenschaftsgruppe die Kompetenz besitzt, eine Firmenkunden- und Investmentbank zu betreiben.

Agricole hat viel dafür getan, die Möglichkeiten zu vergeuden, die eine große Privatkundenbasis ihrer Firmenkunden- und Investmentbanksparte hätte bringen können. Es wurden Vorstände benannt, die der englischen Sprache nicht mächtig waren, keine Erfahrung im Investmentbanking hatten oder, noch schlimmer, in beiden Bereichen nicht firm waren. Die Bank demoralisierte erfolgreich Vorzeigebanker von Credit Lyonnais, dem vor fünf Jahren gekauften Institut, die nach der Fusion scharenweise das Haus verließen. Dann, vor vier Jahren, wurde ein auf US-Wertpapieren basierendes Geschäft mit strukturierten Kreditprodukten und forderungsbesicherten Wertpapieren ins Leben gerufen.

Etwa 5,5 Milliarden Euro an Abschreibungen und Rückstellungen später bittet Agricole seine Aktionäre, bei der Wiederherstellung der Bilanz durch eine Bezugsrechtsemission in Höhe von 5,9 Milliarden Euro zu helfen. Zudem werden taktvoll als „Refokussierung“ bezeichnete Maßnahmen bei der Investmentbankingsparte Calyon angekündigt, die diese dringend zu brauchen scheint. Wenn man den Einfluss der Subprime-Krise herausrechnet, würde die Sparte noch immer einen operativen Verlust von 200 Millionen Euro bei einem Umsatz von weniger als 900 Millionen Euro aufweisen, jedenfalls den hauseigenen Schätzungen der Agricole zufolge.

Der Fahrplan des neuen Chefs sieht vor, die Bank zurück zu strukturierten Finanzprodukten, Maklertätigkeiten und festverzinslicher Syndizierung zu führen sowie zehn Prozent der Kosten einzusparen. Diese Rosskur ist unvermeidbar, doch wenn man sich die Vergangenheit anschaut, könnte sie den Patienten umbringen. Die besten Talente könnten noch mit einer neuen Anreizpolitik zurechtkommen, die gekürzte Boni vorsieht. Sie werden aber ein unheilvolles Zeichen darin sehen, dass Agricole nur 25 Prozent seines Kapitals Calyon widmen will – derzeit sind es mehr als 30 Prozent. Das größte Problem der Agricole beim Betrieb ihrer Investmentbank war stets ein Mangel ein Kompetenz. Man kann nur schwer erkennen, wie sich dies in der näheren Zukunft ändern soll.

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