Credit Suisse
Der Sonnenkönig

Josef Ackermann hielt schöne Reden über die Offenlegung der Risikobestandteile im Portefeuille. Nur dran gehalten hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank sich nicht. Brady Dougan, sein Pendant bei der Credit Suisse, hat den Maßstab für die neuen Transparenzstandards für alle Facetten der Bankbilanz gesetzt - und der Deutschen Bank damit eine Lektion erteilt.

Das beste Desinfektionsmittel, so heißt es, ist Sonnenlicht, schrieb Louis Brandeis in seinem Buch “Other People’s Money and How the Bankers Use It.” (Anderer Leute Geld und wie Banker es nutzen). Die Worte des Richters am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten haben heute, 94 Jahre später, in der Finanzwelt eine andere Bedeutung erhalten. Und auch für Brady Dougan, den Vorsitzenden der Credit Suisse, so möchte man glauben.

Die Schweizer Bank ließ die Sonne auf ihre Bilanz scheinen. Damit gab sie am Dienstag das neue Tempo im Wettlauf um die Transparenz bei Banken vor und ließ die Konkurrenz hinter sich. 78 Milliarden Schweizer Franken in Krediten, privaten und gewerblichen Hypotheken, besicherten Darlehen (CDOs), Monolines (kommunale Anleihen) und strukturierten Investmentprodukten (SIVs) rechnete Credit Suisse im einzelnen vor. Nicht alles war glanzvoll. Allein die Größenordnungen sorgten schon für Irritationen unter den Anlegern und Kursverluste um knapp 4 Prozent im frühen Handel. Nach genauer Prüfung der Informationen konnten sich die Aktien aber wieder weitgehend erholen.

Der Abstand zwischen Credit Suisse und der Konkurrenz ist deutlich. Wenige sind weitergegangen als grundlegende Informationen zu CDOs und Kreditengagements zu berichten. Credit Suisse ging ins Detail und legte noch Informationen zum Engagement in Gewerbeimmobilien, SIVs, Monolines und private Wohnungsbaudarlehen obendrauf. Credit Suisses Transparenzoffensive steht in scharfem Kontrast zu vor allem einem Konkurrenten: Deutsche Bank. Eigentlich war es der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, der ursprünglich zur genauen Überprüfung eingeladen hatte. Er feierte nicht nur die Überlegenheit der eigenen Bank bei Subprimes, sondern forderte auch andere auf ihre Hände vorzuzeigen. Sein Verdacht – zu Recht – die meisten könnten die Risiken weniger gut als die Deutsche gemeistert haben. Inzwischen haben die Banken ihre Subprime Engagements mehr oder weniger offen gelegt.

Als die Deutsche vergangenen Donnerstag zur Ergebniskonferenz lud, blieb sie hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Im Hinblick auf die Detailgenauigkeit war von der Deutschen nicht viel mehr zu hören als die Monolines wurden “gehedgt”, die Wohnungsbaudarlehen seien „vertretbar“ und mit dem Engagement in gewerblichen Immobiliendarlehen sei man „zufrieden“. Ackermann entzieht sich seinem eigenen Rat und in den Schatten. Seine Regentschaft als selbstgekrönter Sonnenkönig ist vorbei.

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