Credit Suisse
Zweifelhafte Vermögenswerte als Bonus für Banker

Die Credit Suisse schaufelt problematische Vermögenswerte über fünf Mrd. Franken in ein Portfolio und vergibt dafür Anteilsscheine an leitende Mitarbeiter. Die Aktionäre profitieren auf diesem Weg von einem Abbau der Verschuldung der Bank, ohne Einbußen durch Notverkäufe zu erleiden. Die Mitarbeiter erhalten eine Art Bonus und werden möglicherweise üppig entlohnt, wenn sich das Portfolio erholt.

Im Einzelhandel gilt eine einfache Regel im Umgang mit der angebotenen Ware: Was du kaputt machst, musst du kaufen. Diese Idee hat nun eine große Investmentbank für sich entdeckt. Die Credit Suisse bezahlt ihre Spitzenbanker jetzt mit dem Gegenstück zu den beschädigten Warenbeständen - mit jenen zweifelhaften, illiquiden Vermögenswerten, die die schweizerische Bank während des Kreditbooms in ihrer Bilanz angesammelt hat. Das ist ein Bonus für die Mitarbeiter - die freilich auf eine andere Art der Zusatzvergütung gehofft hatten - und ein Bonus für die Aktionäre. Andere Banken sollten sich ein Beispiel an der Vorgabe von Credit Suisse nehmen.

Und so funktioniert es: Wie in den vergangenen Jahren werden die Mitarbeiter einen Bonus in bar und Credit Suisse-Aktien erhalten, die mit Beschränkungen belegt sind. Der Bar-Anteil unterliegt ebenfalls einer Rückforderungsklausel, wie sie jetzt an der Wall Street in Mode gekommen ist. Und jetzt kommt der innovative Teil: Directors und Managing Directors der Bank erhalten bis zu 80 Prozent ihrer erst zu einem späteren Zeitpunkt berechneten Vergütung in der Form von "Partner Asset Facility"-Anteilsscheinen, wie sie die Credit Suisse nennt.

Die "PAF" bezieht sich in ihrer Konzeption auf die ursprüngliche Vision hinter dem "Troubled Asset Relief Programme", kurz Tarp, des US-Finanzministeriums zur Rettung des amerikanischen Finanzsektors. Die PAF kauft im Grunde der Bank ein Bündel illiquider Vermögenswerte wie Übernahmefinanzierungen und hypothekenbesicherte Wertpapiere ab.

Im Schnitt sind die PAF-Vermögenswerte auf rund 65 cts zum Dollar abgeschrieben worden. Nun setzt die Bank darauf, dass diese Kredite während der Laufzeit der Fazilität, die mit rund acht Jahren angesetzt wird, stark an Wert gewinnen. Um die Renditen aufzupeppen, wird die Credit Suisse die Fazilität mit einem Hebel von bis zum Siebenfachen ausstatten.

Die Aktionäre von Credit Suisse sollten diesen Schritt begrüßen, der dazu beitragen wird, den Verschuldungsgrad der Bank weiter zu verringern, da der Kapitalbedarf für die illiquiden Vermögenswerte sinkt, weil diese ihrer jetzigen Funktion gemäß neu klassifiziert werden. Indem man sie in ein Vehikel mit einem längeren Investitionshorizont steckt, vermeidet es die Bank, sie auf den heutigen instabilen Märkten zu Schleuderpreisen abstoßen zu müssen.

Was die Mitarbeiter angeht - nun, der Libor plus 250 Basispunkte, den das PAF-Programm in den ersten fünf Jahren abwirft, wird zwar bei der Abzahlung des Maserati keine große Hilfe sein. Aber die Angestellten könnten angesichts des eingesetzten Hebels das Fünffache des Nennwerts der Vergütung, die sie heute einstreichen, erhalten, wenn sich die Kredite als "geldwert" erweisen. Die Aktionäre wären zu Recht erbost, wenn sie zusehen müssten, wie die Mitarbeiter bei diesem Programm allzu üppig absahnten. Deshalb will die Bank auch ihnen die Möglichkeit eröffnen, PAF-Anteile zu erwerben. Schlaue alte Credit Suisse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%