CVS Caremark
Im Visier der Kartellwächter

Die US-Wettbewerbsaufsicht hat CVS Caremark ins Visier genommen. Und die Investoren haben den Aktien der Drogerie- und Pharmakette einen schweren Schlag versetzt, nachdem die Firma im jüngsten Berichtsquartal milliardenschwere Verträge verloren hatte. Was CVS jetzt droht.
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Der Markt hat es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, CVS Caremark für die US-Aufsichtsbehörden weich zu klopfen. Die Wettbewerbswächter der Federal Trade Commission haben die Pharma- und Drogeriehandelskette aufs Korn genommen. Die Investoren haben in der Zwischenzeit den Aktien der Gruppe einen schweren Schlag versetzt, nachdem die Firma im jüngsten Quartal milliardenschwere Verträge verloren hatte. Der Einbruch der Titel um 20 Prozent unterstützt die überarbeiteten Aufsichtsbeamten, indem er die CVS Caremark in die Defensive drängt.

Die Probleme von CVS Caremark waren vorhersehbar. Das letzte Mal, dass sich Unternehmen, die wie Caremark auf die Verwaltung von Arzneimittelleistungen spezialisiert sind, an einer anderen Stelle der Pharma-Lieferkette engagierten, endete auch deren Versuch in einer Sackgasse. Die so genannten Pharmacy Benefit Manager (PBM) nutzen ihre Kaufkraft, um von den Arzneimittelherstellern Preisnachlässe zu erwirken. Davon geben sie einen Teil, aber nicht den gesamten Betrag, an die Kunden weiter. Als Zwischenhändler profitieren sie davon, wenn sie beide Seiten gegeneinander ausspielen.

In den neunziger Jahren schluckten die Pharma-Unternehmen diese Medikamentenmakler. Die Federal Trade Commission argumentierte damals - wobei die derzeit im US-Justizministerium für den Wettbewerb zuständige Christine Varney eine führende Rolle spielte -, die vertikale Integration der PBM in die Pharmakonzerne würde zu wettbewerbswidrigem Verhalten einladen. Die US-Regierung reagierte schließlich mit der Verhängung von Sanktionen.

Auch die Verbraucher waren damals äußerst unzufrieden, denn die unternehmenseigenen PBM drückten letztendlich kostspielige Markenmedikamente durch anstatt billigere Alternativprodukte konkurrierender Hersteller. Die Fusionen wurden am Ende zu hohen Kosten wieder abgewickelt. So verbuchte etwa Eli Lilly einen Fehlbetrag über 2,4 Mrd. Dollar aus dem Kauf von PCS Health über vier Mrd. Dollar.

Jetzt gibt CVS Caremark mit ihrer Drogerie- und Pharma-Kette CVS und ihrer Kontrolle des Arzneimittelzwischenhändlers Caremark Anlass zur Unzufriedenheit unter den Kunden und den Wettbewerbshütern. Auch diese Variante des früher erprobten Musters der vertikalen Integration scheint bei den Kunden keinerlei Anklang zu finden. CVS Caremark räumte bei der Besprechung ihrer Quartalsergebnisse am Donnerstag ein, PBM-Kontrakte für das Jahr 2010 im Wert von 4,8 Mrd. Dollar verloren zu haben. Dieses Mal steht zu befürchten, dass die Caremark-Kunden aufgrund von Preisgestaltungsstrukturen auf Pharmazeutika der Marke CVS zugreifen müssen anstatt andere zu kaufen, die vielleicht zweckdienlicher wären.

Die Aufsichtsbeamten sorgen sich zudem darum, dass der Pharma-Bereich des Unternehmens sich Informationen zu Nutze macht, die von Caremark gesammelt wurden, um sich gegenüber anderen Arzneimitteleinzelhändlern auf unfaire Weise Vorteile zu sichern. CVS Caremark weist Behauptungen, die Firma verhalte sich wettbewerbswidrig, als haltlos zurück. Sie habe tief greifende Sicherheitsmaßnahmen gegen einen unvorschriftsmäßigen Datenaustausch ergriffen.

Ob die US-Wettbewerbsaufsicht mit ihren Argumenten durchkommt, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit hat der Markt seinen eigenen Weg gefunden, seine Meinung über den Zusammenschluss CVS Caremark auszudrücken.

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