Das britische Kreditsystem kränkelt
„You ain’t seen nothing yet“

In ihrem Bericht zur Stabilität des Finanzmarktes warnt die Bank of England, die Finanzkrise könnte noch andauern. Hoffentlich liegt sie falsch. Das Vereinte Königreich blieb von den Turbulenzen bisher zwar weitgehend verschont, die Belastung reichte jedoch aus, um eine Bank mit offensichtlich gesunder Vermögensstruktur in die Knie zu zwingen. Aber was wird erst, wenn Anlagewerte der Banken wertberichtigt werden müssen?

Mit “You ain’t seen nothing yet,” (Das war noch gar nichts) landete der leicht stotternde Randy Bachman 1974 einen Hit. Mervyn King, der englische Zentralbankchef, scheint eine Coverversion vorzubereiten. Nach dem letzten Stabilitätsbericht der Bank of England müssen die Finanzmärkte noch eine Menge lernen.

Es könnte sein, dass der Bericht die Zukunft noch zu rosig malt. Die Bank nennt eine Reihe von Gefahren, die auf dem Finanzparkett lauern. Die sogenannten “Adverse credits” auf dem britischen Hypothekenmarkt – ein Äquivalent zu den amerikanischen Subprimes (durch Hypothekendarlehen geringerer Qualität besicherte Schuldtitel) – machen etwa 3 bis 4 Prozent der Hypothekenkredite aus. Im Vergleich zum US-Markt ist das nur ein Viertel des Anteils, der in den Staaten zur Kreditkrise geführt hat.

Aber auch von den Erstkäufern drohen nach Meinung der Zentralbank Gefahren. Der Anteil ihres Zinsdienstes liegt mit durchschnittlich 20% vom Einkommen nicht nur auf dem höchsten Stand seit 1991. Den Häuslebauern steht auch noch der „Refinanzierungsschock“ bevor, da viele Festzinsdarlehen neu verhandelt werden müssen.

Weiteres Unheil droht von Schulden aus kreditfinanzierten Buyouts. Die Bank of England beziffert den Bestand solcher Verpflichtungen auf 8 Prozent der gesamten Unternehmensverschuldung. Damit steckt nach Meinung der obersten Banker viel Geld in „aggressiven Finanzkonstrukten“ mit geringen Margen und schwachen Sicherheiten.

Die Bank of England warnt weiter, dass das Modell “Kredite aufnehmen und weiterreichen”, das in den vergangenen Jahren bei hohen Liquiditätsüberschüssen funktionierte, inzwischen zusammengebrochen ist. Mit anderen Worten, die Banken sitzen auf Schulden, die sie aus ihren Bilanzen nicht mehr loswerden.

Schon das klingt alles schlimm genug. Es gibt aber noch größere Gefahren, die die Zentralbank noch gar nicht benannt hat. Die Probe, auf die das britische Kreditsystem bisher gestellt wurde – und durch die es gefallen ist –, war bisher eine reine Liquiditätsprüfung.

Der schwierigere Test steht noch bevor, wenn die Vermögenswerte, die als Sicherheiten für die Darlehen herhalten, an Wert verlieren. Genau das durchlebte der amerikanische Immobilienmarkt. Bisher halten die Preise für britische Wohnhäuser, Geschäftsgebäude und Aktien stand. Gehen sie in den Keller, wird es Zeit für eine neue mitreißende Version des Liedtextzeile „I’ve had it coming to me“ (Ich hab´s schon kommen sehen).

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