Deckt mich ab
Goldman schießt bei Aktienempfehlungen ins eigene Tor

Analysten, die einer ausgewählten Kundengruppe kurzfristige Handelsideen liefern, scheinen die Regeln nicht zu brechen. Es ist auch keine Überraschung, wenn Wall-Street-Firmen ihre besten Kunden glücklich sehen wollen. Man kann dies aber auch erreichen, ohne einen derart unangenehmen Beigeschmack zu hinterlassen.
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Goldman Sachs wird schon wieder an den Pranger gestellt. Vergleiche zu Blut saugenden Meereskreaturen sind diesmal ausgeblieben. Dass die Wall-Street-Firma einem Bericht des Wall Street Journal zufolge eine Gruppe von Kunden bei Aktienempfehlungen bevorzugt, während viele andere im Dunkeln gelassen werden, hinterlässt allerdings einen schalen Beigeschmack. Die Sache ist trotzdem nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick scheint.

Sicherlich sind die Elemente eines ordentlichen Skandals vorhanden: Analysten veröffentlichen ihre Ansichten über eine Aktie und scheinen danach in wöchentlichen Treffen gegenteilige Ratschläge an große Hedgefonds wie SAC und Citadel zu geben. Die Beteiligten geben sich sogar alle Mühe, ihre Ideen nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlungen zu bezeichnen.

Es ist aber weniger an dem Wirbel dran, als der erste Anschein vermuten lässt. Die Treffen sind dazu gedacht, kurzfristige Handelsideen bei Unternehmen zu erzeugen, nicht zur Änderung der langfristigen Richtung von Analystenbewertungen. Weil Aktien generell ein tägliches Auf und Ab erleben, anstatt sich schnurgerade auf langfristige, mehr oder weniger prophetische Einschätzungen von Analysten hinzubewegen, ist es kaum kontrovers, daraus etwas Kapital schlagen zu wollen.

Es sieht also danach aus, als ob die Regeln nicht gebrochen wurden. Derartige Handelshinweise führen zudem selten dazu, dass Analysten kurz danach ihre Bewertungen verändern. Nur in fünf Prozent der Fälle innerhalb eines Dreimonats-Zeitraumes kam dies Goldman zufolge im letzten Jahr vor. Außerdem ging die Hälfte dieser Veränderungen nicht in die Richtung, die bei den kritisierten Treffen genannt wurde.

Es ist keine Überraschung, dass Goldman und andere Investmentbanken ihre besten Kunden glücklich machen wollen, und Hedgefonds mit ihren häufigen Handelsaktionen bringen einen großen Teil der Handelsumsätze von Kunden ein. Die Wall-Street-Firma hätte aber eine besseren Weg finden können, um sie zufriedenzustellen. Vor ihrem Untergang hatte zum Beispiel Lehman Brothers eine Analystengruppe aufgestellt, deren einzige Aufgabe darin bestand, ungeachtet des publizierten Research kurzfristige Empfehlungen übers Telefon an Kunden zu geben. Morgan Stanley schickte E-Mails an alle Kunden, in denen kurzfristige Empfehlungen ausgeführt wurden.

Das mag aufwändig sein, und man riskiert sogar, jene Kunden zu verärgern, die nicht mit derartigen Informationen versorgt werden. Goldman hätte sich aber auf diese Weise gegen Unterstellungen geschützt, dass seine Bevorzugungen heimlich erfolgen könnten.

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