Defensive Aktien
Sicherheit hat ihren Preis

Die Aktien von Verbrauchsgüterproduzenten haben während der Kredit- und Immobilienkrise den breiteren Markt mit Leichtigkeit übertroffen. Aber während der Bedarf an Nahrung, Tabak und Getränken wahrscheinlich auch einem Sturm standhält, sehen die Papiere ihrer Lieferanten plötzlich teuer aus.

Die beste Art des Angriffs ist die Verteidigung - oder so ähnlich. Die Aktien von Getränke- und Tabakanbietern und anderen Unternehmen, die Produkte des täglichen Bedarfs herstellen, gelten traditionell als sichere Häfen. Und sie haben sich auch in den vergangenen Monaten, als in anderen Marktsegmenten der Wall Street die Turbulenzen losbrachen, gut bewährt. Aber die "Cola und Marlboro“-These hat ihre Grenzen. Sein Geld in defensive Titel zu verschieben, wenn der Sturm losbricht, ist kaum eine revolutionäre Strategie. Und die steigenden Kurse für die Unternehmen in diesem Sektor lassen darauf schließen, dass eine weitere Aufwärtsbewegung begrenzt ist.

Trotzdem sollte die Nachfrage nach Produkten wie Shampoo und Toilettenpapier relativ stabil bleiben, selbst angesichts nachgebender Märkte. Viele dieser Firmen sind global ausgerichtet und können sich neue Quellen der Nachfrage in den aufstrebenden Märkten erschließen.

Die Krisenstimmung auf den Kreditmärkten und ihr Einfluss auf den Finanzsektor und das verarbeitende Gewerbe haben die Investoren dazu veranlasst, sich auf den Verbrauchsgüterbereich zu konzentrieren. Die S&P-500-Untergruppe, die diesen Bereich abbildet, hat den breiter angelegten Index in den vergangenen Monaten übertroffen. Waren für den persönlichen Bedarf, Limonaden, Haushaltsprodukte und Tabak lagen dabei ganz vorn. Es kann nicht überraschen, dass die meisten Finanzgruppen dem Index hinterherhinkten und Baugesellschaften um fast ein Drittel eingebrochen sind.

Aber die Sicherheit hat ihren Preis. Während die Investoren bei diesen Titeln Zuflucht suchten, sind die Bewertungen der Unternehmen entsprechend angeschwollen. Die Aktien aus dem Verbrauchsgüterbereich werden mit mehr als dem 21fachen der zurückliegenden Jahresergebnisse gehandelt. Das ist ein Aufschlag um fast 25 Prozent gegenüber dem S&P-500-Index insgesamt, geht aus den Daten von Reuters Knowledge hervor.

Um diesen Aufschlag zu rechtfertigen, müsste das Ergebniswachstum der Verbrauchsgüterproduzenten den allgemeinen Markt in den kommenden fünf Jahren um jährlich rund fünf Prozentpunkte übertreffen.

Das ist zwar nicht unmöglich, aber viel Enttäuschendes darf da nicht passieren. Sicher, diese Unternehmen haben defensive Geschäftsmodelle. Aber ihr Sicherheitsabstand sieht knapp bemessen aus. Deshalb dürften die Aktien aus dem Verbrauchsgüterbereich nicht mehr länger als der sicherste Platz gelten, um sich unterzustellen.

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