Defensive Aktien
Was Rezession bedeutet

Erst kam Kraft, dann Sara Lee und schließlich Unilever. Alle diese Anbieter grundlegender Verbrauchsgüter enttäuschten die Erwartungen der Märkte. Dabei sollten sie doch eigentlich rezessionsresistent sein. Und im Vergleich zu Banken oder Autobauern sind sie das auch. Aber in schweren Zeiten schauen die Kunden auch bei Käse und Seife auf den Preis.

Das Konzept der defensiven Aktie ist ansprechend. Wer wollte sich nicht bei einem Unternehmen engagieren, das in einer Rezession nicht in Mitleidenschaft gezogen wird? Aber wie viele Hedge Fonds-Investoren herausgefunden haben, bleiben nur wenige Bereiche unangetastet, wenn die Wirtschaftswelt in die Knie geht. Selbst Güter von so grundlegender Natur wie Käse, Wurst und Shampoo werden mitgerissen. Aber die Investoren scheinen eine Weile zu brauchen, um das wirklich zu verstehen.

In dieser Woche haben die US-Nahrungsmittelhersteller Kraft (Käse, unter anderem) und Sara Lee (Würstchen und vieles mehr) Unternehmensergebnisse vorgelegt, die ein klein bisschen schwächer waren als erwartet, und darauf verwiesen, dass das derzeitige Handelsumfeld schwergängig ist. Die Aktien fielen um jeweils neun bzw. sieben Prozent. Dann folgte die britisch-niederländische Unilever (Shampoo, Waschpulver, Margarine und so weiter) mit recht anständigen Zahlen, gab aber gleichzeitig ihr Ziel auf, die Gewinnmargen ausweiten zu wollen. Die Papiere fielen um sieben Prozent.

Verglichen mit den starken Schwankungen ausgesetzten Titeln aus dem schwer angezählten Bankensektor sind solche Einbußen kaum erwähnenswert. Trotzdem erschienen die Reaktionen überzogen, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um Unternehmen mit starken Bilanzen und relativ stabilen Cash Flows handelt.

Besonders der Richtungswechsel bei Unilver beunruhigte die Anleger. Aber es ist schwierig, sowohl das Umsatzvolumen als auch die Gewinnspannen oben zu halten, während sich das Bruttoinlandsprodukt nach unten bewegt. Paul Polman, der neue Chief Executive, setzt darauf, dass Kostenkürzungen und Programme zur Steigerung der Effizienz greifen werden, aber auch das wird nicht leicht werden. Das Management sollte die Freiheit haben, zu entscheiden, in welchen Dosen der Schmerz verabreicht wird.

Es könnte sein, dass die Investoren noch nicht in vollem Umfang begriffen haben, wie viel Luxus in den so genannten Verbrauchsgütern steckt. Unilever erwirtschaftet etwa die Hälfte seines Umsatzes in ärmeren Ländern. Dort bedeutet eine Rezession, dass sich viele Menschen den Kauf von industriell gefertigten Nahrungs- oder Putzmitteln nicht mehr länger leisten können. Selbst in den reichen Ländern wechseln die Konsumenten von den Premium-Marken mit ihren hohen Gewinnmargen zu billigeren - und weniger rentablen - Produkten über, die fast genau so gut sind.

Es wäre wohl kaum eine große Überraschung, wenn diese Unternehmen und ihre Konkurrenten mit weiteren schlechten Nachrichten aufwarten, die die Anleger schockieren werden. Eine Rezession, die so tief greifend ist wie diese, hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Und es dauert lange, bis sich die Menschen von ihren althergebrachten Ansichten frei machen können. Zudem sind Aktien, die zum Zwölf- bis Vierzehnfachen ihrer erwarteten Ergebnisse gehandelt werden, für ein Schnäppchen immer noch zu teuer.

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