Den Markt anstoßen
Währungsinterventionen können sinnvoll sein

Staatliche Interventionen am Währungsmarkt sind normalerweise eine schlechte Idee, allerdings nicht immer. Mit ihren verbalen Warnschüssen vom Montag richteten die osteuropäischen Länder keinen Schaden an, sie erreichten aber auch nicht viel. Japan könnte wahrscheinlich genug US-Dollar kaufen, um dem Land etwas Gutes zu tun.

Währungsintervention: Margaret Thatcher sagte einst, man könne sich den Märkten nicht widersetzen. Da lag die frühere britische Premierministerin richtig, wie das Wechselkursdebakel zeigte, das ihren Abstieg einleiten half. Die Märkte regieren, manchmal aber auch schlecht. Es kann gute Gründe geben für Regierungen, an den Währungsmärkten einzugreifen.

In der Regel überwiegen aber schlechte Interventionen. Russlands Verteidigung des Rubel im letzten Jahr war ein gutes Beispiel, sie war zum Scheitern verurteilt. Als mit dem Öl- und Gassektor die Schlüsselbranchen Russlands drastisch einbrachen, musste der Rubel diese weniger attraktive Realität reflektieren. Die einzig gute Rechtfertigung für offizielle Eingriffe war die Absicht, die Abwertung zu verlangsamen.

Diese Art der Abmilderung kann angemessen sein. Am Montag beispielsweise erklärten Zentralbanken in Polen, Ungarn, Tschechien und Rumänien, dass ihre Währungen zu tief gefallen seien und sie willens sind, etwas dagegen zu unternehmen. Die warnenden Worte führten zu dreiprozentigen Währungs-Rallyes.

Für diese in Schwierigkeiten geratenen Länder dürften sich die Zuwächse als kurzlebig erweisen. Währungshändler könnten allerdings genug dabei verloren haben, um mit einseitigen Wetten auf Zloty, Forint, Krone und Leu aufzuhören. Dies könnte die notwendigen Anpassungen weniger brutal machen.

Auch substantiellere Interventionen können hilfreich sein, wie der Yen zeigt. Er war lange Zeit jedermanns Prügelknabe. Investoren verschuldeten sich in Yen und zahlten dafür minimale Zinsen, das geliehene Geld benutzten sie dann, um höhere rentierende Anlagen in anderen Währungen zu kaufen. Immer mehr Anleger nahmen an diesem "Carry Trade" genannten Spiel teil, und der Yen fiel und fiel.

Dies änderte sich im Sommer 2007. Die Flucht aus Spekulationen mit riskanten, hoch verzinslichen Geldanlagen leitete Geldströme zurück in den Yen und trieb ihn auf Mehrjahres-Hochstände, obwohl die japanischen Exporte und das Wachstum in den Keller gingen.

In den letzten Wochen schwächte sich der Yen etwas ab, doch es würde der japanischen Regierung nicht weh tun, diese Abschwächung zu fördern. Wenn Japan US-Staatsanleihen kauft, hilft dies den Ausgabenrausch der Regierung in Washington zu finanzieren, die US-Hypothekenzinsen nach unten zu bringen, die Erholung im wichtigsten japanischen Exportmarkt zu fördern und den eigenen Export und das Wachstum zu unterstützen. Das sind viele Vorzüge einer Politik.

Dabei widersetzt man sich nicht dem Markt, man stößt ihn nur in dahin, wo er hingehen sollte.

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