Der Faktor Drei
Goldman-Ausbildung ist dreifaches Gehalt wert

Sein dreifaches Gehalt wurde einem unglückseligen, des Quellcode-Diebstahls der viel gerühmten Goldman-Handelsprogramme verdächtigten russischen Programmierer geboten, wenn er zu einer anderen Firma überläuft. Der für das Verlassen von Goldman Sachs angebotene Gehaltsaufschlag lässt auf die Erwartung eines bestimmten Wissenstransfers schließen.
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Was ist der wichtigste Punkt bei dem Verdachtsfall eines früheren Goldman-Sachs-Angestellten, der die lukrative Handelsformel der Firma zu stehlen versucht haben soll? Sicher ist es eine Lehrstunde in Urheberrechtsschutz, vielleicht auch in Sachen Sicherheitssysteme der Wall Street. Vielleicht gibt die Geschichte auch einen seltenen Einblick in das Geschäft mit dem Eigenhandel. Man sollte nochmals darüber nachdenken. Die klarste Erkenntnis aus der Affäre um Sergej Aleinikow betrifft den Wert einer

Aleinikow wird verdächtigt, 32 Megabyte Daten mit Quellcodes der wichtigsten Goldman-Handelsstrategien für die Aktien- und Rohstoffmärkte gestohlen zu haben. Unklar ist, was er mit den Daten plante, die er seinem Anwalt zufolge versehentlich herunter lud. Einer Bundesanklage nach beabsichtigte er, ?das Handelsgeheimnis in wirtschaftlichen Nutzen für einen anderen als den Besitzer umzusetzen?

Ein Richter muss darüber entscheiden, welche Seite Recht hat. Bekannt ist, dass dem in Russland geborenen Aleinikow 1,2 Millionen US-Dollar, das dreifache seines Goldman-Salärs von 400 000 US-Dollar, für den Wechsel zu einer in Chicago ansässigen Firma geboten wurde. Das FBI sagt, dass dort im selben Bereich automatisierten Handels mit großen Volumina gearbeitet werden sollte, der schon Goldman Unsummen einbrachte, und dass der gleiche Quellcode benutzt werden sollte, den Aleinikow angeblich gestohlen hat.

In der Anklage findet sich kein Anhaltspunkt dafür, dass Aleinikows neuer Arbeitgeber erwartete, sein neuer Mitarbeiter werde mit Goldmans Geheimformel auf dem tragbaren Rechner zur Tür hereinspaziert kommen. Ein solch krasser Diebstahl von Handelsgeheimnissen hätte aber in der Klage erwähnt werden müssen. Dass man bereit war, Aleinikow das Dreifache seines Gehalts inmitten einer Rezession an der Wall Street zu zahlen, offenbart aber den Wert einer Goldman-Ausbildung. Weil Goldman als das wohl herausragendste Handels- und Investmentbankhaus der Branche gilt, existiert die Vorstellung, dass jeder Goldman-Abtrünnige wertvolle Geheimnisse aus dem Inneren der Festung mitbringen wird.

Wenn die Vorwürfe gegen Aleinikow sich bestätigen, stellt er sicherlich ein extremes Beispiel dar. Doch die 300-Prozent-Gehaltserhöhung, die man ihm für das Verlassen von Goldman bot, legt die Erwartung irgendeines Wissenstransfers nahe. Das ist ein Risiko, dass die Anleger der Firma bedenken müssen, wenn sie den Aktienkurs wieder soweit in die Höhe treiben, dass er einen Aufschlag gegenüber dem Buchwert beinhaltet.

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