Der Globalist
2010 war das Jahr, bevor alles besser wurde

Was uns erwartet, worüber wir im Rückblick sprechen werden - und wie es 2011 weitergeht.
  • 0

Das Jahr 2010 begann wie das vorherige geendet hatte. Beflügelt von den Erholungszeichen der Wirtschaft setzten die Weltbörsen ihre Rally noch einige Wochen fort. Je mehr die Börsianer jedoch nach vorn blickten, umso klarer wurde ihnen, dass der Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr die Puste ausgehen würde. Dann sollten die meisten Konjunkturprogramme auslaufen. Also gingen Kurse und Stimmung im Frühjahr nach unten.

Auch den Politikern rund um den Globus wurde langsam klar, dass sie für die Zeit nach dem Sommer außer dem Prinzip Hoffnung kein Rezept hatten. An neue Staatshilfen war angesichts der leeren Kassen nicht zu denken. Der drohende Bankrott in Griechenland und einigen osteuropäischen Ländern erstickte den Ruf nach Konjunkturpaketen vollends. Bundeskanzlerin Merkel musste ihre Wette verloren geben, durch Wachstum die Steuersenkungen zu finanzieren. Die Wahlen in Großbritannien brachten den erwarteten Regierungswechsel, aber keine Wende zum Besseren. Der neue britische Premier David Cameron kündigte zum Entsetzen der Londoner City eine Steuer auf alle Finanztransaktionen an, um das Budgetdefizit in den Griff zu bekommen. Frankreich und Deutschland schlossen sich an, die USA blieben auf Distanz.

"Genug ist genug", mit diesen Worten und einer Zinserhöhung läutete im Sommer EZB-Chef Jean-Claude Trichet den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik ein. Die Bank of England folgte kurz darauf, die Fed in den USA ließ den Geldhahn offen. Dadurch geriet der Dollar erneut unter starken Abwertungsdruck. US-Finanzminister Geithner versicherte der Welt, dass Amerika an einem starken Dollar interessiert sei. Das wollten aber nicht einmal mehr die Chinesen glauben, die daraufhin die Bindung des Yuans an den Greenback aufgaben.

"Wir werden die Doha-Runde 2011 zum Abschluss bringen", sagte WTO-Chef Lamy, nachdem in Genf die Gespräche über eine Liberalisierung des Welthandels erneut gescheitert waren. Die EU und die USA nutzten die Gunst der Stunde und führten Strafzölle auf energieintensive Produkte jener Länder ein, die sich beim Klimagipfel in Kopenhagen nicht zu einer Verringerung ihrer Schadstoffemissionen verpflichtet hatten. China, Russland und Indien reagierten mit Gegenmaßnahmen.

Die Demokraten in den USA erlitten bei den Halbzeitwahlen im November eine herbe Niederlage. "Together we will make America great", kommentierte Präsident Obama die republikanische Kongressmehrheit. Groß wurden jedoch nur die Banken: JPMorgan schluckte die Citigroup, nachdem diese erneut in eine Schieflage geraten war. Bei vielen anderen Banken herrschte zum Jahresende Katzenjammer.

Zugegeben, dass ist nicht gerade ein hoffnungsvoller "Rückblick". Zum Glück bleibt uns die Hoffnung auf 2011. Dann kommt der richtige Aufschwung. Ganz bestimmt - sagen die Ökonomen und Frau Merkel.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Der Globalist: 2010 war das Jahr, bevor alles besser wurde"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%