Der Globalist
Das verrufene Gewerbe oder die linke Hand Gottes

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat nicht den richtigen Ton getroffen, als er seiner eigenen Branche einen höheren Auftrag bescheinigte. Dabei ist seine Botschaft gar nicht so falsch - wenn sie nur etwas bescheidender formuliert wäre.
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Wer den Bankern an den Kragen will, muss nur auf ihren nächsten Fauxpas warten. Diese Woche war es wieder so weit. Diesmal brachte Lloyd Blankfein die Welt in Rage, weil er für sein verrufenes Gewerbe in Anspruch nahm, nur "Gottes Werk" zu verrichten.

Kirchenmänner reagierten irritiert, Normalbürger geschockt und Politiker erzürnt. Mit seinem schiefen Vergleich hat der Chef von Goldman Sachs genau das Gegenteil von dem erreicht, was er zu erklären suchte. Nämlich dass Banken in der Marktwirtschaft einen gesellschaftlichen Nutzen stiften. Hätte er irdische Maßstäbe benutzt, wäre er womöglich zu jenen Kritikern durchgedrungen, die heute die Bankenwelt verteufeln.

So aber ist Goldman Sachs längst zum Feindbild geworden für alles, was in der Finanzwelt schiefläuft. Riskante Geschäftspraktiken, skrupelloses Einsacken von Steuergeldern und exzessive Gehälter. Da hilft es auch nichts, dass Goldman die Staatshilfe gar nicht haben wollte und sie längst mit Zinsen zurückgezahlt hat. Auch nicht, dass die Bank ihre Risiken besser managt als alle anderen. Und erst recht nicht, dass Lord Blankfein als Arbeiterkind aus Brooklyn nicht in das Klischee eines versnobten Investmentbankers passt. "Nichts dazugelernt" lautet das vernichtende Urteil der Öffentlichkeit über die "Gotteslästerung" des Bankers.

Ökonomisch gesehen hat Blankfein jedoch recht. Es ist zwar nicht gerade das Werk Gottes, das die Banker verrichten. Aber dass Banken eine Schlüsselrolle dabei spielen, wenn es darum geht, den Wohlstand der Nationen zu mehren, daran gibt es keinen Zweifel.

Der Goldman-Chef hat übrigens die Wertschöpfung seiner Branche in dem berüchtigten Interview mit der britischen "Sunday Times" zutreffend beschrieben. "Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wachstum und noch mehr Wohlstand schaffen", so Blankfein.

Dieser Zusammenhang hat nicht nur bei der Industrialisierung des Westens eine entscheidende Rolle gespielt, sondern hat auch dafür gesorgt, dass frühere Entwicklungsländer heute an der Schwelle zum Wohlstand stehen. Damit ist freilich noch nichts darüber gesagt, dass die Goldmänner dieses Jahr mehr als 20 Mrd. Boni verdient haben.

Welchen Wert hat die Arbeit der Banker? Darüber hat sich schon Karl Marx den Kopf zerbrochen. Seine Apologeten kamen zu dem Schluss, der Staat solle den "gerechten" Lohn festlegen. Dieses Experiment ist bekanntlich gründlich danebengegangen.

Auch die Religion hat sich mit dieser Frage befasst. Die Protestanten sagen, irdischer Reichtum sei der Lohn für ein gerechtes Leben. Dass die goldenen Boni gerecht sind, hat Blankfein damit untermauert, dass die Produktivität der Goldmänner zehn Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Wall Street liege.

Mein Kollege Frank Wiebe hat jedoch darauf hingewiesen, dass die Banker so leicht der Gerechtigkeits-falle nicht entkommen. Wenn sie den Kapitalismus retten wollen, müssen sie daran interessiert sein, dass ihr Lohn nicht nur am Markt, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit als fair akzeptiert wird.

Um das zu erreichen, müssen die Banker den gesellschaftlichen Wert ihrer Arbeit viel häufiger und viel besser erklären. Bislang hatten Blankfein & Co dafür kein glückliches Händchen. Sie haben sich nicht wie die rechte, sondern eher wie die linke Hand Gottes benommen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Der Globalist: Das verrufene Gewerbe oder die linke Hand Gottes"

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  • Zitat blankfein:"Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wachstum und noch mehr Wohlstand schaffen"

    Schön, dass sich noch jemand daran erinnert!

    Weil das die banken (und hier zuförderst Goldman Sachs) eben nicht tun, hatten wir die Notwendigkeit das bankensystem mit Steuergeldern zu retten. Das Goldman weniger bedarf hatte hängt wohl an der Vernetzung mit der amerikanischen Regierung zusammen und damit der Fähigkeit aus dem Desaster auch noch Kapital zu schlagen. Solche KKommentare, wie der ihre, sind nicht das Pixel wert, mit dem er geschrieben wurde!

  • Zitat blankfein:"Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wachstum und noch mehr Wohlstand schaffen"

    Schön, dass sich noch jemand daran erinnert!

    Weil das die banken (und hier zuförderst Goldman Sachs) eben nicht tun, hatten wir die Notwendigkeit das bankensystem mit Steuergeldern zu retten. Das Goldman weniger bedarf hatte hängt wohl an der Vernetzung mit der amerikanischen Regierung zusammen und damit der Fähigkeit aus dem Desaster auch noch Kapital zu schlagen. Solche KKommentare, wie der ihre, sind nicht das Pixel wert, mit dem er geschrieben wurde!

  • Was Menschen mit ihrem Geld machen, soll ihnen überlassen bleiben. Solange dies die Gesellschaft nicht belastet, einverstanden. Und was ist mit der aktuellen Krise? Sollen Menschen, welche mit ihrem Geld machen was sie wollen, erneut eine solche auslösen können, wenn es machbar wäre? - ist schon einer Überlegung Wert.

    Die Lohn-/Vergütungsfindung für banker und boni ist unkorrekt, da bonus und Malus beide zusammen, in dieses System, gehören, wenn es gerecht zugehen soll. Aufgrund dieser Voraussetzung "entkommen die banker so leicht nicht der Gerechtigkeitsfalle. Wenn sie den Kapitalismus retten wollen, müssen sie daran interessiert sein, dass ihr Lohn nicht nur am Markt, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit als fair akzeptiert wird"... Darum sollen banken - von staatswegen - auch besser kontrolliert werden, um diese zu beruhigen.

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