In der nächsten Woche beginnt im Schweizer Bergort Davos das alljährliche Brainstorming der globalen Elite. Das diesjährige Motto des World-Economic-Forums „Rethink, Redesign, Rebuild“ zeugt von großer Leere in den klügsten Köpfen auf dem Globus. Hatte man sich ein Jahr zuvor noch zum Ziel gesetzt, die Welt nach der Krise zu formen, geht man in diesem Jahr zwei Schritte zurück und will noch einmal von vorn beginnen.
Zunächst hatten Manager, Politiker und Wissenschaftler noch gehofft, man könnte nach einem halbwegs erfolgreichen Krisenmanagement an die goldenen Zeiten des vergangenen Booms anknüpfen. Allmählich wächst jedoch die Einsicht, dass es damit nicht getan ist. Zu viele vermeintliche Gewissheiten sind ins Wanken geraten.
Vor einem Neubeginn steht vor allem die Ökonomie als Wissenschaft. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat so viele Glaubenssätze der einstmals herrschenden Lehre aus den Angeln gehoben, dass unsere Wissenslücke über das Funktionieren der Märkte größer denn je erscheint. Oder um es mit Sokrates zu sagen: Die Ökonomen sollten jetzt wissen, was sie nicht wissen. Klar scheint nur, dass die Finanzmärkte nicht effizient, geschweige denn rational funktionieren. Will die Ökonomie einen Erkenntnisgewinn erreichen, der für das Leben der Menschen relevant ist, muss sie sich vom Leitbild der Naturwissenschaften verabschieden. Wirtschaft ist eine soziale Veranstaltung. Hat man das einmal akzeptiert, kann sich die Ökonomie ohne Berührungsängste ihren Nachbarwissenschaften wie der Psychologie öffnen.
Neu nachdenken muss die Elite auch über ihr Verhältnis zur Ethik. Nicht erst in der Finanzkrise ist vielen Managern der moralische Kompass abhanden gekommen. Schon in der Dotcom-Ära und während der Bilanzskandale rund um den US-Konzern Enron zeigte sich, dass das Berufsethos in der Wirtschaft vielerorts zum Fremdwort geworden ist. Erlaubt ist, was nicht verboten ist. Nach diesem Motto wird auch heute noch gehandelt. Die unselige Debatte über die Boni der Banker zeigt das deutlich. Es ist jedoch ein Irrglaube, der Staat könnte ethisches Verhalten in der Wirtschaft mit unzähligen Regeln erzwingen. Nur wenn es die Spitzenmanager schaffen, ein neues Berufsethos zu entwickeln und dieses dann auch persönlich vorzuleben, wird die Wirtschaft auf den rechten Pfad zurückfinden. Dies ist für die globale Elite kein Luxusproblem, sondern eine Überlebensfrage. Ohne eine neue Wirtschaftsethik verliert die Führungsschicht ihre gesellschaftliche Akzeptanz.
In sich gehen muss in Davos auch der Westen. Noch hat er seine neue Rolle in einer Weltwirtschaft nicht gefunden, in der sich das Machtzentrum langsam, aber sicher nach Osten verschiebt. Ungeklärt ist vor allem sein Verhältnis zur aufstrebenden Supermacht China. Das bisherige Kalkül, mit der wirtschaftlichen Freiheit würden im Reich der Mitte auch die persönlichen Freiheiten wachsen, geht jedenfalls nicht auf. Europäer und Amerikaner halten zwar öffentlich gern die Fahne der Menschenrechte hoch, hinter dem Rücken jedoch die wirtschaftliche Hand auf. Peking hat diese Doppelzüngigkeit längst durchschaut. Google versucht mit seiner Drohung, sich aus China zurückzuziehen, jetzt erstmals, westliche Werte mit wirtschaftlichen Interessen wieder in Einklang zu bringen. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob andere dem Beispiel folgen. Nur wenn der Westen gegenüber China bereit ist, seine Interessen selbstbewusst durchzusetzen, wird er trotz abnehmender wirtschaftlicher Bedeutung auch künftig eine führende Rolle in der Welt spielen.
Die ökonomische Wissenschaft in der Krise? Diese steht in der bRD doch erst am Anfang einer katastrophalen Entwicklung. in Deutschland ist in den vergangenen Jahren doch jeder durch Ruhestand/Emeritierung frei gewordene Lehrstuhl durch verkappte Naturwissenschaftler und Mathematiker besetzt worden. Schön, das diese Scheuklappenträger uns die nächsten 30 Jahre erhalten bleiben werden und unsere Kinder ausbilden. Das ist nichts anderes als ein Angriff auf unsere individuelle Freiheit, da aufgrund der berufungsnetzwerke kein Raum für Vielfalt bleibt.
Skandalös, dass das Handelsblatt diese Entwicklung auch noch durch Unterschriftenaktionen (vgl. den Aufruf vom 8. Juni 2009) unterstützt. Aber rote Ohren wird von den dort angeführten Professoren keiner bekommen. im Gegenteil, die Wirtschaftskrise wird nur dazu führen, dass der Versuch, die Ökonomik zu einer exakten Wissenschaft zu machen, nur mit noch mehr Energie unternommen wird.
"Nur wenn es die Spitzenmanager schaffen, ein neues berufsethos zu entwickeln und dieses dann auch persönlich vorleben, wird die Wirtschaft auf den rechten Pfad zurückfinden":
Wie soll dies geschehen, wenn in 'Davos das alljährliche brainstorming der globalen Elite' im eigenen Saft schmort ?
ich finde dies ironischerweise recht witzig, da sich eine gewisse Analogie mit dem Verhalten von vielen Managern nicht absprechen lässt.
Anstatt die basis zu fragen und zuzuhören um ein Abbild der Realität einzuholen, werden ausschliesslich Zahlen und Methoden bemüht und keine Antwort gefunden. Die "hochintelligenten" Herren da oben sind in ihren Traumschlössern jenseits der Realität gefangen. Auf die idee ihre überbezahlten Hintern mal zu der normalen bevölkerung zu schwingen, mit denen zu reden und zuhören, darauf kommen sie nicht.
Und was lernen wir wiedermal aus der jetzigen Situation? Weisheit ist nicht mit intelligenz gleichzusetzen.
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