Kolumnen
Der Mann mit dem Feigenblatt

Bransons Bemühungen um einen amerikanischen Akzent Wie so viele britische Importe wurde auch der Vorstoß des bärtigen Milliardärs auf dem US-Markt zunächst hoch bejubelt, um anschließend zu enttäuschen. Sein Mobilfunk-Abenteuer wurde zum jüngsten Rohrkrepierer.

Es ist schon Jahre her, dass Richard Branson einen Hit auf dem amerikanischen Markt landen konnte. Der britische Unternehmer, dem die amerikanischen Küsten Culture Clubs Boy George zu verdanken haben, musste seit seinem frühen Erfolg mit Virgin Records eine Reihe von Niederlagen einstecken. Wie sich inzwischen abzeichnet, scheint das Mobilfunkgeschäft Virgin Mobile der nächste Reinfall zu werden.

Man kann Branson nicht vorwerfen, es nicht wenigstens versucht zu haben. Vor einem Jahrzehnt fuhr Branson mit einem Panzer auf den Times Square, um dem Angriff von Virgin Cola auf Coke und Pepsi werbewirksam Nachdruck zu verleihen. Die Amerikaner fanden nie Geschmack an dem Softdrink – auch wenn er sich wohl im Iran und Irak durchsetzen konnte. Und Bransons Reality-Fernsehshow „The Rebel Billionaire” aus dem Jahr 2004, mit dem er Donald Trumps “The Apprentice“ ausstechen wollte, wurde zum Quotenflop.

Virgin Mobile, ein Joint Venture zwischen Virgin und Sprint Nextel, scheint dem Muster zu folgen. Bei der Markteinführung erschien Branson wieder auf dem Times Square – diesmal kam er im Adamskostüm durch die Luft, mit lediglich einem Handy als Feigenblatt. Als Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz – das Unternehmen mietet Bandbreiten von Sprint – muss Virgin Mobile nicht erst ein eigenes Netz aufbauen. Das klingt vielleicht gut, aber der Konkurrenzkampf ist hart. Virgin Mobile könnte im zweiten Quartal bis zu 160.000 Kunden – und Geld – verlieren.

Die Aktien von Virgin Mobile haben seit dem Börsengang im Oktober rund 80 Prozent an Wert verloren. Inzwischen denkt man im Unternehmen über einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Helio nach. Für Virgin vielleicht ein Weg, den fehlgeschlagenen Ausflug in die Öffentlichkeit schnell wieder zu beenden.

Aber Branson gibt den Wunsch Amerika zu erobern nicht auf. Virgin America, die neue Airline, an der die Virgin Gruppe mit 23 Prozent beteiligt ist, könnte sich jedoch auch einen ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht haben, um abzuheben. Einige neugegründete Airlines mussten aufgrund der explodierenden Treibstoffpreise bereits wieder aufgeben. Das neue Unternehmen suchte allerdings erst kürzlich um weitere 100 Millionen Dollar Kapital bei seinen Befürwortern nach.

Die Ideen gehen Branson nicht aus: zum Beispiel Peer-to-Peer-Kredite (Kreditvergaben von Privat an Privat) und Vermietung von Privatflugzeugen über Internet. Vielleicht wird Branson es auch langsam müde, Amerika zu erobern, und strebt stattdessen nach neuen Ufern – dem Weltraum. Virgin sammelt schon Einlagen, um ins große Abenteuer aufzubrechen. Man wird nicht mehr lange auf Branson im Raumanzug warten müssen – diesmal dann wohl ohne mobiles Feigenblatt.

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