Der Preis der Freiheit
Barclays kostspielige Absicherung

Barclays hat es geschafft, sich auf eigene Faust zu neuem Kapital zu verhelfen. Aber um den sieben Mrd. Pfund schweren Deal durchzuziehen, wird die britische Bank für die Hälfte davon bis 2019 einen Zins von 14 Prozent zahlen, im Geld notierende Warrants abgeben und Wandelanleihen zu einem beträchtlichen Abschlag begeben. Die Aktionäre mögen sich fragen, ob es so klug war, das Angebot der britischen Regierung auszuschlagen.

Barclays hat ihr Versprechen eingelöst, Kapital auch ohne eine Spritze des Staates einzusammeln - oder zumindest nicht von ihrem eigenen Staat. Für die Spitzenmanager der britischen Bank mag es wie ein großer Coup aussehen. Sie sind sicherlich stolz darauf, den Skeptikern getrotzt und den Einsatz von Steuergeldern vermieden zu haben, der von Vergütungs- und Dividendenrestriktionen begleitet gewesen wäre. Aber auch ihre Unabhängigkeit hat einen stolzen Preis. Die Aktionäre werden sich zu Recht fragen, ob es letztlich eine solch gute Idee war, das Angebot der britischen Regierung ausgeschlagen zu haben.

Die königlichen Familien von Abu Dhabi und Katar haben sich bereit erklärt, der Firma sieben Mrd. Pfund Sterling gegen einen Anteil von 32 Prozent an Barclays zuzuführen. Sie werden dafür fürstlich entlohnt. Zunächst einmal zahlt Barclays für die Hälfte davon für zehn Jahre einen Kupon von 14 Prozent auf Titel, die Vorzugsaktien ähneln. Das ist der bisher höchste Satz für Bankkapital. Sicher, nach Steuern ergibt sich ein Satz von zehn Prozent, der immer noch unter dem der britischen Regierung von zwölf Prozent liegt. Aber Barclays wird vermutlich mindestens sechs Jahre länger als jene Branchenkollegen zahlen, die von den staatlichen Behörden gerettet werden.

Dann kommen Warrants ins Spiel - sie werden im Geld abgegeben und sind mit einer Absicherung gegen eine Verwässerung ausgestattet. Die Investoren aus dem Mittleren Osten können jederzeit in den kommenden fünf Jahren 1,5 Mrd. neue Stammaktien zum ernsthaft gedrückten Kurs von 198 p je Aktie zeichnen.

Und dann wären da noch Pflichtwandelanleihen über 2,8 Mrd. Pfund. Berücksichtigt man den Kupon von 9,75 Prozent, dann liegt der Wandlungspreis um 27 Prozent unter dem Kurs der Aktie, zu dem sie sich vor dem Abschluss präsentiert hatte. Und eine großzügige Dankesbezeugung von Barclays rundet die Sache ab: Sie zahlt Provisionen über 300 Mill. Pfund, die auf jeden Fall an Abu Dhabi und Katar fließen, ob der Deal zustande kommt oder nicht.

Die Kapitalerhöhung hievt die Kernkapitalquote von Barclays auf 7,6 Prozent - und dabei sind die zusätzlichen 3,5 Mrd. Pfund, die durch die Nichtzahlung einer Dividende in diesem Jahr und andere Schritte zur Bilanzsteuerung entstehen, noch nicht einmal eingerechnet. Das ist die Art von Beruhigung, die die Investoren gebraucht haben.

Sie werden am 24. November über das Paket abstimmen können, aber nur in der abgespeckten Offenlegungsvariante eines Rundschreibens, nicht in einem vollständigen Emissionsprospekt. Über eines werden sich die Barclays-Aktionäre bis dahin Gedanken machen können: Ob eine kostspielige Absicherung durch ausländische Herrscher besser ist, als durch die Regierung des Landes, in dem Barclays die meisten Geschäfte macht.

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