Der Tod der Fluggesellschaften aus der zweiten Reihe
Krise verändert europäische Luftfahrtbranche

Nationale Fluggesellschaften aus der zweiten Reihe hatten nie viel Zukunft in der Unabhängigkeit. Die aktuelle Krise beschleunigt die Konsolidierung. Fluglinien aus Österreich, Griechenland und Italien stehen bereits zum Verkauf, und die SAS hat schwer zu kämpfen. Doch Finanzierungen und Käufer sind Mangelware. Die verkaufenden Regierungen werden Kröten zu schlucken haben.

Es scheint so, als ob die europäischen Fluggesellschaften aus der zweiten Reihe am Ende sind. Fluglinien aus Österreich, Griechenland und Italien stehen zum Verkauf, die SAS kämpft noch. Spaniens Iberia verhandelt über eine Fusion mit British Airways. Diese Entwicklung ist vernünftig, doch es wird kein ruhiger Flug werden.

Theoretisch hätte die Konsolidierung schon vor langer Zeit stattfinden müssen, direkt nach der Schaffung eines einheitlichen europäischen Marktes im Jahr 1993. Skaleneffekte zählen in der Luftfahrtbranche, weil man damit Kosten senkt und die Preissetzungsmacht stärkt. Allerdings verzögerten Bürokratie, politische Hürden und ein Netz aus bilateralen Verträgen den Prozess. Ein gutes wirtschaftliches Umfeld, in einigen Fällen auch Regierungshilfen, ermöglichten es den Fluggesellschaften aus der zweiten Reihe, sich weiter durchzumogeln.

Die aktuelle Krise jedoch sortiert die schwächsten Spieler aus: Jene Fluglinien, die zu aufgebläht sind für ihre lokalen Heimatmärkte. Viele der Gesellschaften haben auch mächtige Gewerkschaften, die anachronistische Arbeitsmethoden Aufrecht erhielten. Einige entwickelten ihre heimatlichen Drehkreuze zu weit, sodass sie jetzt Transferverkehr anlocken müssen, der in einem Abschwung sehr viel schwerer zu finden ist. Manche Fluglinien übernahmen sich bis über beide Ohren, etwa Austrian, die unter einer Schuldenlast von 900 Millionen Euro stöhnen.

Es ist kein Zufall, dass die zum Verkauf stehenden Fluggesellschaften, mit Ausnahme der Iberia, sich in ziemlich schweren Notlagen befinden. Doch die Gesellschaften, die stark genug für Übernahmen sind, befinden sich im Sparmodus. Air France senkt die Kosten, wie der Rest der Branche, und überdenkt die Expansion. Es ist nur etwas für die Mutigsten, noch Transaktionen anzustreben, wenn der operative Gewinn im ersten Halbjahr sich halbiert hat.

Käufer werden hart verhandeln, und ihre Investoren werden vom ersten Tag an Wertzuwachs aus den Geschäften einfordern. Deswegen könnten Regierungen dem Prozess nachhelfen müssen. Italien muss seiner Fluglinie 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen, nur um einen Kollaps zu verhindern. Die Lufthansa besteht darauf, dass sie Austrian - zum Nominalpreis von einem Euro - nur übernimmt, nachdem die Regierung einen Teil des Schuldenbergs übernommen hat.

Nicht alle Fluglinien aus der zweiten Reihe kämpfen ums Überleben. Der Finnair zum Beispiel geht es gut. Je länger der Abschwung aber anhält, umso wahrscheinlicher wird es, dass die Landkarte der europäischen Luftfahrt sich radikal verändern wird.

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