Der Wert des Geldes
Nullzinspolitik: Ein Rätsel für die Märkte

Die USA übernehmen die japanische Mixtur aus Nullzinspolitik und riesigen Defiziten. Großbritannien und die Eurozone könnten folgen. Anleger reagieren mit dem Verkauf von US-Dollar und dem Kauf von Staatsanleihen als sicherem Hafen. Das klingt unlogisch, doch in einer Nullzins-Welt ergibt nichts einen Sinn.

Null ist eine Zahl, die schwer zu verstehen ist. Beim Multiplizieren verwandelt sie andere Werte in Nichts, beim Dividieren ins Unendliche. Im Finanziellen stellt sie die Welt auf den Kopf. Kein Wunder, dass Investoren schwindlig wird.

Die USA wiederholen ein japanisches Experiment mit einer Null bei einer der wichtigsten Variablen der Finanzmärkte: dem offiziellen Tagesgeldsatz. Diese Nullzinspolitik ist verbunden mit einer Staatsverschuldung in nahezu unendlichem Ausmaß. Von der US-Regierung erwartet man, dass sie die Wirtschaft in einer Lage, die nach schlimmer Rezession aussieht, mit 850 Milliarden neuen Schulden stimuliert.

Unterdessen führt die Rezession zu einer Flucht in Sicherheit. Das bedeutet, Staatsanleihen zu kaufen. Die 2,2-Prozent-Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe könnte sich Null nähern, wenn die US-Notenbank eigenen Andeutungen folgt und selber beginnt, Staatspapiere aufzukaufen. Das könnte die Anleihekurse nach oben bewegen. Am Währungsmarkt sind Mega-Schulden und Mini-Renditen aber schädlich, weswegen der US-Dollar in einem Monat von 98 auf 88 Yen gefallen ist.

Die Kombination fallender Renditen mit einer fallenden Währung ist unlogisch für ein Land, das stark von ausländischem Kapital abhängt. Doch in einer Nullzins-Welt ergeben viele Dinge nicht wirklich einen Sinn. Die USA sind nicht das einzige Land, dass dieses Anlagerätsel anbietet. Man nehme Großbritannien, das ähnlich verschuldet ist und ähnlich mehr ausleiht. Das Land bewegt sich schnell auf eine Nullzinspolitik zu, der Tagesgeldsatz von zwei Prozent dürfte im Januar halbiert werden. Zehnjährige britische Staatsanleihen rentieren mit niedrigen 3,2 Prozent, und das britische Pfund ist so schnell abgestürzt wie der US-Dollar, von 1,18 auf 1,08 Euro in nur einem Monat.

Die Bewegung in Richtung Nullzinspolitik ist weit verbreitet. Japan hat damit nie wirklich aufgehört, und die Eurozone rückt schrittweise dorthin. Der Gedanke dahinter ist, dass Gratis-Geld das Kreditsystem vor dem Zufrieren schützt, während höhere Staatsdefizite die Nachfrage vor dem Kollaps bewahren sollen.

Doch diese Politik funktioniert offenbar nicht. Die bislang bestmögliche Aussage ist, dass die Welt ohne sie in einem noch schlechteren Zustand sein könnte. Weil keine plausiblen Alternativen im Angebot sind, sollten Anleger mit noch mehr Nullzinspolitik rechnen. Das wiederum weist darauf hin, dass viele Erträge unterhalb von Null liegen werden.

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