Derivate
Obama macht sich keine Freunde an der Wall Street

Die US-Aufsichtsbehörden wollen sämtliche Firmen überwachen, die mit nicht notierten Derivaten handeln. Das ist sinnvoll und könnte künftige Zusammenbrüche wie bei AIG vermeiden. Die Händler mögen von der genauen Beobachtung nicht begeistert sind, aber richtig mulmig wird ihnen erst bei der zweiten Idee der US-Regierung: Die meisten Derivate sollen künftig an den Börsen gehandelt werden.
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Barack Obama ist eindeutig nicht darauf aus, sich an der Wall Street Freunde zu machen. Die Pläne des US-Präsidenten, den Markt für nicht notierte, im Freiverkehr abgewickelte Derivate über 590 Bill. Dollar zu regulieren, bringen eine genauere Überprüfung der großen Handelshäuser wie JP Morgan und Goldman Sachs mit sich. Aber möglicherweise noch abträglicher für diese Firmen ist die Forderung, dass die meisten der Freiverkehrsderivate künftig an den Börsen gehandelt werden sollen.

Die US-Regierung will in der kommenden Woche einen Gesetzesvorschlag einbringen, um alle Derivatehändler - selbst derzeit nicht oder nur leicht regulierte Einheiten, wie es etwa die AIG Financial Products (AIGFP) vor der Krise war, - einer stärkeren Aufsicht zu unterstellen.

Obamas Plan sieht vor, dass alle Firmen, die mit diesen Instrumenten handeln, denselben Berichtspflichten, Kapital- und Einschussanforderungen unterworfen werden. Bei den Produkten handelt es sich um Credit Default Swaps, Aktienderivate und um seit langem etablierte Werkzeuge wie Zinsswaps. Das ist sehr sinnvoll und als Ansatz besser, als versuchen zu wollen, sich schnell verändernde Einzelprodukte zu überwachen.

Schließlich hätten striktere Kapital- und Einschussstandards vielleicht die Zusammenbrüche bei AIGFP und den Kreditversicherern abwenden können, die Kreditderivate verkauft hatten, ohne ein angemessene Kapitalausstattung zu haben, um diese abzustützen. Die Händler werden diese neuen Vorschriften und die damit einhergehende Beobachtung natürlich nicht begrüßen. Aber insgeheim gestehen die Banker ein, dass sie wussten, was da auf sie zukommen würde.

Allerdings sind die meisten immer noch entschieden gegen die Idee, dass alle standardisierten Kontrakte an den Börsen gehandelt werden sollen. Ursprünglich hatte die US-Regierung nur gefordert, dass diese Instrumente über zentrale Clearing-Stellen anstatt bilateral zwischen den Händlern abgewickelt werden sollen. So sollte sich der Schaden besser verteilen können, wenn in Zukunft ein großer Händler wie Lehman Brothers oder AIG scheitert.

Die Branche hat sich gefügt. Aber die Banker befürchten, dass eine zwangsweise Überführung der meisten Derivate in den Handel an den Börsen zu einem Grad an Kurstransparenz führt, der ihre oft übermäßig großen Gewinne beschneidet.

Da könnten sie Recht haben. Und ihr Schaden könnte der Gewinn ihrer Kunden sein - und der der Börsenbetreiber wie CME und IntercontinentalExchange, die sich das Geschäft wahrscheinlich sichern werden. Aber zunächst einmal muss der Plan die angekündigte Lobby-Offensive der Wall Street überstehen.

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