Deutsche Bank
Ackermann verkennt den Ernst der Lage

Josef Ackermann verkündete in einer Mail an Mitarbeiter, dass die Bank die richtige Strategie verfolge und nichts die niedrigen Börsenkurse rechtfertige. Doch Ackermann unterschätzt die Marktmeinungen über Fremdfinanzierungsgrad, Kapital und die Zukunft des Investmentbankings.

Josef Ackermann verkündete in einer Mail an Mitarbeiter, dass die Deutsche Bank die richtige Strategie verfolge und nichts die niedrigen Börsenkurse rechtfertige. Doch Ackermann unterschätzt die Marktmeinungen über Fremdfinanzierungsgrad, Kapital und die Zukunft des Investmentbankings.

Dabei ignoriert die Deutsche Bank diese Faktoren nicht einmal; sie hinkt nur hinterher. Erst kürzlich hatte das Finanzhaus Einblicke in seine Bilanzen und Fremdfinanzierungsstrategien gewährt. Mit einer Asset-to-Equity-Ratio von 35 (nach US-Bilanzrichtlinien) steht es um die Bank nicht so schlecht wie befürchtet. Wenn auch die angestrebte Quote von 30 sich zumindest an den Wert der Credit Suisse annähert, ist man doch weit entfernt von amerikanischen Rivalen, die um einen Wert von 20 streuen.

Außerdem gehört die Deutsche Bank noch immer zu den Kapital-Verweigerern. Sicher, die Gruppe startete mit einer besseren Grundlage in das Jahr, als manche Konkurrenten und hatte sich abgestrampelt, um die Eigenkapitalquote auf über zehn Prozent zu hieven. Doch dieser Vorteil ist mittlerweile passé, ein Großteil des Kapitals musste zum Ausgleich anderweitiger Verluste, etwa aus Übernahmen, herhalten.

Nicht zuletzt stehen die Weichen der Deutschen Bank im Investment-Sektor noch immer auf "Wachstum". Doch man will ein größeres Stück von einem kleiner werdenden Kuchen. Zudem konnte die Deutsche Bank danke neue Bilanzrichtlinienr, die Abschreibung von 25 Milliarden Euro an havarierten Anlagen vermeiden. Aber selbst der reduzierte Wert der fremdfinanzierten Handels- und Finanzimmobilien steht im Wertpapierhandel noch besser da, als auf dem realen Markt. Kurzum, bis zu den schwarzen Zahlen ist es noch ein langer Weg.

Man darf erwarten, dass die Deutsche Bank ihr Fremdkapital noch weiter verringern muss, als sie das bislang anstrebt. Zudem benötigt sie eine höhere Eigenkapitalquote, was wiederum Wertpapierverkäufe und neues Kapital erfordert.

Auch Santander und Standard Chartered, die sich bis vor kurzem noch für etwas Besseres hielten, haben sich zur Kapitalerhöhung durchgerungen. Die Citigroup, die noch im letzten Monat von Zukäufen gesprochen hatte, nimmt nun Regierungs-Gelder in Anspruch. Ackermann mag ja gerne den Marktschreier geben, doch große Töne haben noch selten den Aktienmarkt bewegt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%