Deutsche Bank
Änderung der Tonlage

Der Gewinn der Deutschen Bank ist im zweiten Quartal zwar höher ausgefallen als erwartet, wurde aber durch Steuergutschriften und den Verkauf von Vermögenswerten gestützt. Und auch wenn das Institut sein Kreditrisiko gesenkt hat, bleibt es auf Gebieten wie den Übernahmefinanzierungen größeren Risiken ausgesetzt als die Konkurrenten. Es ist kein Wunder, dass Bank-Chef Josef Ackermann vorsichtigere Töne anschlägt.

Die Deutsche Bank hat es sich schließlich doch noch anders überlegt. Was anfangs aussah wie Anmaßung, der Katastrophe mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität entgangen zu sein, hatte sich in übertriebenen Optimismus über das bevorstehende Ende der Finanzkrise gewandelt. Aber der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, scheint seine rosarote Brille nun abgenommen zu haben. Die Ergebnisse des Kreditinstituts im zweiten Quartal helfen vielleicht dabei, die neue, klarere Sicht der Dinge zu erklären.

Hier und da gab es gute Nachrichten - allerdings ist jede mit der Einschränkung "ja, aber" versehen. Der Gewinn nach Steuern von 645 Mill. Euro lag über den Erwartungen, obwohl er sich nur auf ein Viertel des im vergleichbaren Vorjahresquartal ausgewiesenen Betrags belief. Aber 37 Prozent davon rührten von Verkäufen von Industriebeteiligungen her und die Zahl wurde zusätzlich durch die Auflösung von Steuerrückstellungen begünstigt. Die Erträge im Investment Banking der Deutschen Bank haben sich nur um 18 Prozent verringert, was darauf schließen lässt, dass dort hinsichtlich der Marktanteile beträchtlich an Boden gut gemacht wurde. Aber diese Gewinne stellen sich zu einer Zeit ein, zu der die Kunden viel weniger Handelsabschlüsse tätigen und weitaus weniger Beratung bei Fusionen und Börsengängen brauchen.

Die Bilanz wies ähnliche Enttäuschungen auf. Der hohe Verschuldungsgrad der Bank ist den Investoren schon lange ein Dorn im Auge, besonders da der Druck seitens der Aufsichtsbehörden steigt, den Einsatz von Fremdmitteln abzubauen. Auch wenn die Bank weiter darauf beharrt, dass risikogewichtete Vermögenswerte im Mittelpunkt stehen sollten, hat sie im Berichtsquartal dennoch brutto sieben Prozent ihrer Vermögenswerte abgestoßen. Aber das den Aktionären zurechenbare Eigenkapital ist in derselben Größenordnung gefallen. Dies bedeutet, dass sich der Verschuldungskoeffizient kaum von der Stelle bewegt hat.

Die Deutsche Bank musste bei ihrem Kreditportfolio zudem noch einmal 2,3 Mrd. Euro an Wertberichtigungen vornehmen. Aber ihre Bewertungen von Gewerbeimmobilien und Übernahmefinanzierungen sind viel weniger aggressiv als die ihrer Konkurrenten. Die Deutsche Bank mag über Portfolios von besserer Qualität verfügen, aber solange nicht mehr Einzelheiten genannt werden, bleiben die Investoren in diesen unsicheren Zeiten mit ihren Sorgen alleine. Das Engagement der Bank bei einst erstklassig bewerteten Kreditversicherern wird zum Nennwert geführt. Nach den jüngsten Herabstufungen scheint sich dies allerdings nicht mehr aufrechterhalten zu lassen.

Es ist der Bank gelungen, weitere Übernahmefinanzierungen über 7,2 Mrd. Euro loszuwerden. Doch das Institut hat sich seiner Risiken nicht annähernd so schnell entledigt wie die Konkurrenten Credit Suisse und Lehman Brothers. Auch beim Verkauf von hypothekenbesicherten Vermögenswerten war die Bank langsamer.

Ackermann, dessen Schlagworte der Wahl um Widerstandskraft und Vertrauen kreisten, sagt jetzt, er sei "vorsichtig", was den Rest des Jahres angeht. Das ist zwar nur eine milde Änderung der Tonlage. Aber wenn sie von einem notorischen Optimisten wie Ackermann kommt, klingt das ziemlich pessimistisch.

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