Deutsche Bank
Anleihe: Wenn die Bank nicht kündigt

Die Deutsche Bank hat eine Milliardenanleihe nicht vorzeitig zurückgekauft, obwohl die überpünktliche Kündigung in der gängigen Marktpraxis stillschweigend versprochen, wenn auch nicht garantiert ist. Damit stürzt das Kreditinstitut andere Investoren vergleichbarer Wertpapiere in ernste Schwierigkeiten und vielleicht in Abschreibungen. Die Deutsche Bank könnte es bereuen, ihren Ruf beschädigt zu haben.

Die Deutsche Bank hat ein stillschweigend gegebenes Versprechen gebrochen - und damit schwere Verwüstungen angerichtet. Das Kreditinstitut hat eine Anleihe über eine Mrd. Euro nicht gekündigt, von deren vorzeitiger Rückzahlung die Investoren aber ausgegangen waren. Zu ihrer Verteidigung brachte die Bank vor, dass durch die hohen Kosten der Schuldtitel auf dem Markt eine Refinanzierung der Anleihe unwirtschaftlich gewesen wäre. Was die Zahlen angeht, ist die Entscheidung der Deutschen Bank denn auch vollkommen rational. Aber Rationalität wird nicht viel dabei ausrichten, die aufgebrachten Kreditinvestoren zu beruhigen.

Bei der betreffenden Anleihe handelt es sich um "kündbare" Notes. Banken rund um die Welt haben Papiere dieser Art im Volumen von 420 Mrd. Dollar emittiert, berichtet Dealogic. Bei den Aufsichtsbehörden zählen die Titel, die die Deutsche Bank begeben hatte, zum Ergänzungskapital (Tier-2), einem nachrangigen Maß für die Kapitalstärke, basierend auf ihren langen Laufzeiten, die typischerweise zehn Jahre betragen. Die Investoren, die davon ausgehen, dass der Emittent eine Option, die Anleihe vorzeitig zurückzukaufen, gewöhnlich nach fünf Jahren ausübt, geben sich mit einem niedrigeren Satz als bei normalen zehnjährigen Schuldtiteln zufrieden.

Bisher haben diese "Vertrauens"-Papiere die Investoren auch noch nicht enttäuscht. Die Banken haben ihre Bonds immer vorzeitig zurückgezahlt und sie mit neuen refinanziert, selbst wenn es aus finanzieller Sicht vernünftiger gewesen wäre, dies nicht zu tun. Aber jetzt sieht es so aus, als sei der fehlende finanzielle Zusammenhang zu schmerzhaft geworden. Die Deutsche Bank zahlt nur knapp über vier Prozent auf die umstrittene Anleihe über eine Mrd. Euro. Eine Ablösung würde etwa sieben Prozent kosten - im Jahr wären das 30 Mill. Euro extra.

Inhaber solcher Anleihen sehen sich nun zwei Problemen gegenüber. Zunächst einmal fallen die Kurse - und der Buchwert -, um die längere Laufzeit widerzuspiegeln. Der Geldkurs für die Anleihe der Deutschen Bank ist um mehr als zehn Prozent gefallen. Zum zweiten hatten einige Inhaber fest mit dem Geld gerechnet. Versicherungen und Pensionsfonds, die Auszahlungen vornehmen müssen, werden ihre Verbindlichkeiten nun auf andere Weise finanzieren müssen. Einige Geldmarktfonds hatten Bonds gekauft, von denen sie annahmen, dass sie kurz vor der Fälligkeit standen, sich jetzt aber als alles andere als kurzfristige Schuldtitel erweisen.

Die Investoren, die auf einer Verkaufsposition erwischt werden, können sich nur selbst ohrfeigen. Es war naiv, davon auszugehen, dass bei derart haarsträubenden Bankrefinanzierungssätzen die Kreditinstitute ihre Anleihen weiterhin vorzeitig kündigten. Wenn schon die Aktionäre diesem Vorgehen nicht Einhalt geboten hätten, hätten ihm schließlich die Branchenaufseher, die jeden Rückkauf im Vorhinein absegnen müssen, einen Riegel vorgeschoben. Die Deutsche Bank hat das Richtige getan.

Wenn nur die Tugend an sich auch belohnt werden würde. Am Donnerstag begehrten einige Anleihe-Investoren auf, sie würden keine Wertpapiere der Deutschen Bank mehr kaufen. Andere sagten, sie würden sogar Emissionen boykottieren, bei denen die Deutsche Bank als eine der Konsortialbanken oder als Arrangeurin fungieren würde. Das ist vermutlich heiße Luft. Aber die Deutsche Bank mag möglicherweise an ihrer Entscheidung zweifeln, der Wirtschaftlichkeit den Vorrang vor dem guten Ruf einzuräumen.

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