Deutsche Bank
Jahr um Jahr mit Ackermann

Deutsche Bank-Chef Ackermann hat noch einmal um drei Jahre verlängert. Er ist gut durch die Krise gekommen, daher ist die Kontinuität an der Spitze der Bank vor dem Eintauchen in eine tiefe Rezession sinnvoll. Aber im Jahr 2013 wird Ackermann elf Jahre auf dem Chefsessel der Bank gesessen haben. Das wäre dann doch etwas übertrieben. Ein Wechsel an der Spitze sollte früher eingeleitet werden.
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Josef Ackermann hat sich in der Krise in vielerlei Hinsicht als antizyklisch handelnder Querdenker erwiesen. Es ergibt also durchaus einen Sinn, wenn sich der Chef der Deutschen Bank auch dem vorherrschenden Trend unter den Bankenbossen widersetzt. Während viele seiner Gegenspieler aufgrund ihres inkompetenten oder sogar rücksichtslosen Vorgehens in die Frührente gezwungen wurden, hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank Ackermann ersucht, noch einmal drei Jahre über seinen für 2010 geplanten Abschied hinaus zu bleiben. Es kann kaum überraschen, dass er zugesagt hat.

Abgesehen davon, dass Ackermann anfangs in der Krise ein wenig zu optimistisch eine schnelle Erholung in Aussicht gestellt hat, ist er relativ gut durch die Krise gekommen. Er hat die Deutsche Bank außer Hörweite der Sirenengesänge der US-Subprime-Immobilien gesteuert und das Bonus-Problem lange vor seinen Konkurrenten erkannt. Er war sich auch der Gefahren bewusst, die in der Annahme staatlicher Hilfen schlummerten, bevor sie überhaupt auftauchten. Folgerichtig brachte er die Deutsche Bank in eine Ausgangposition, von der aus sie sich einen Vorteil gegenüber den geschwächten Konkurrenten verschaffen konnte, welche von strategischen Einschränkungen belastet werden, die den von ihnen empfangenen Mitteln der Steuerzahler anhaften.

Zwar ist die Deutsche Bank den kränkelnden britischen und amerikanischen Verbrauchern weit weniger ausgesetzt als ihre Branchenkollegen. Aber sie muss sich dafür mit der Wirtschaftslage in Deutschland auseinandersetzen, die alles andere als stabil ist. Die Kontinuität an der Spitze der Bank könnte sich vor dem Eintauchen in eine möglicherweise tief greifende Rezession als wertvoll erweisen. Darüber hinaus entgeht die Deutsche Bank der Zwangslage, maßgebliche Führungskräfte bei der Stange halten zu müssen, die im Kampf um den Chefposten unterliegen. Um dieses Problem kann sie sich nun kümmern, wenn die Krise vorbei ist.

Was Ackermann selbst angeht, so wird er wahrscheinlich versuchen wollen, die Deutsche Bank zu verlassen, wenn ein größerer Aufschwung einsetzt. Sich mit einem überteuerten Postbank-Deal als Vermächtnis zu verabschieden, würde einem Mann von seinem Ehrgeiz nicht gut zu Gesicht stehen.

Wenn Ackermann jedoch seinen neuen Vertrag bis zu dessen Ende erfüllt, bliebe er an der Spitze der Bank, bis er 65 ist. Er hätte dann seinen Dienst elf Jahre lang versehen. Das wäre ein wenig übertrieben und birgt obendrein Gefahren: Die durchschnittliche Amtszeit von Jimmy Cayne, Dick Fuld und Stan O?Neal am Ruder von Bear Stearns, Lehman Brothers und Merrill Lynch reichte weit über die ihrer Gegenspieler bei JPMorgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley hinaus. Vielleicht schleicht sich ein gewisses Maß an routinemäßiger Schalheit und Selbstgefälligkeit ein, wenn ein Vorstandsvorsitzender die Gastfreundschaft über Gebühr beansprucht - oder dazu angehalten wird.

Es ist vernünftig für die Deutsche Bank, Ackermann noch ein wenig länger zu behalten - aber die Bank sollte auch darauf abzielen, ihn in absehbarer Zeit abzulösen. Eine geregelte Nachfolge sollte während seiner neuen Amtszeit oberste Priorität haben.

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