Deutsche Bank
Verdeckte Karten

Zwei große Immobilienprojekte der Deutschen Bank in den USA sind schief gegangen. Zwar sieht es so aus, als ob sich das Kreditinstitut schnell aus dem Macklowe-Schlamassel in Manhattan befreien könnte. Und ein Bauvorhaben in Las Vegas zahlt sich vielleicht immer noch aus, wenngleich auch die Gefahr besteht, dass die Deutschen mit schlechten Karten in der Hand darauf sitzen bleiben. Schlimmer noch: Scheinbar ist es um die Urteilskraft der Bankexperten, Kreditnehmer und Risiken zu durchschauen, nicht allzu gut bestellt.

Die Deutsche Bank hat sich mit US-Gewerbeimmobilien über zehn Mrd. Dollar selbst eine Grube gegraben. Bisher stellt sich das Kreditinstitut zwar recht geschickt dabei an, aus dem Loch wieder herauszukrabbeln. Aber die Vorgänge werfen Fragen über die Urteilskraft der Bankexperten auf.

Bei dem Versuch, sich aus der Grube mitten in Manhattan wieder zu befreien, ist die Bank gut von den Startblöcken weggekommen. Gerade erst im vergangenen Sommer hatte die Deutsche Bank dem Immobilienmogul Harry Macklowe dabei geholfen, sieben Bürotürme für 7,5 Mrd. Dollar zu kaufen. Macklowe war bald darauf in Schwierigkeiten geraten. Aber wenigstens konnte die Deutsche ihn dazu überreden, die Gebäude auszuhändigen, wodurch ein peinliches Zwangsvollstreckungsverfahren vermieden werden konnte.

Drei der Türme wurden bereits verkauft, zwei sind unter Vertrag und die letzten beiden sollen bald veräußert werden. Zugegeben, ihr Verkaufspreis liegt um etwa 25 Prozent unter dem, was Macklowe gezahlt hat. Die Deutsche Bank wird also Geld verlieren. Aber ein zügiger Ausstieg zu einem moderaten Verlust ist wahrscheinlich das beste Ergebnis, das erreicht werden konnte.

Las Vegas ist dagegen eine andere Geschichte. Die Deutsche wird die Verwertung des Cosmopolitan Resort & Casino über 3,5 Mrd. Dollar übernehmen, nachdem der Projektentwickler Ian Bruce Eichner in Zahlungsverzug geraten war. Anstatt das nur zur Hälfte fertig gestellte Bauvorhaben mitten in einem am Boden liegenden Markt zu verkaufen, nimmt es die Deutsche in Besitz.

Die Bank wird riskanter spielen müssen. In das Projekt muss nämlich voraussichtlich noch einmal eine Mrd. Dollar gesteckt werden, während der in Las Vegas ansässige Betreiber Boyd Gaming gleichzeitig ein Vorhaben über fünf Mrd. Dollar auf dem Strip erst einmal auf Eis gelegt hat. Das sieht wie ein riskante Verdopplung des Wetteinsatzes aus, wenn man bedenkt, dass die Bank bereits bei dem nahe gelegenen CityCenter-Projekt engagiert ist, einem Vorhaben von MGM Mirage über elf Mrd. Dollar, dem es an Liquidität mangelt.

Und doch könnte sich die Deutsche Bank das größte Loch nicht in Las Vegas, sondern mitten in ihrem guten Ruf gerissen haben. Sie hat sich den dämlichen Fehler geleistet, über die Geschichte hinwegzusehen und zwei waghalsige Entwickler zu unterstützen, deren Scheitern in der Vergangenheit gut belegt ist. Außerdem hat sie sich offensichtlich vom früheren Schwung des Markts blenden lassen. In New York war die Bank davon ausgegangen, dass die Mieten in Macklowes Wolkenkratzern um 75 Prozent steigen würden. In Las Vegas scheint das Institut die Wachstumsaussichten und die Widerstandskraft der Sin City gegenüber einem Abschwung der US-Wirtschaft überschätzt zu haben.

Es mag der Deutschen Bank nachgesehen werden, dass sie das volle Ausmaß der Kreditkrise nicht vorhersehen konnte. Aber die Bank hat trotzdem zwei schwache Karten in ihrer Hand aufgedeckt: Ihre Fähigkeit, Kreditnehmer und Risiken richtig einzuschätzen.

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