Deutsche Bank
Willkommen im Club

Die Deutsche Bank soll ihr Investment Banking abspalten. Mit dieser Forderung zweier Professoren muss sich die Hauptversammlung der Bank Ende Mai beschäftigen. Außerdem sollen die Kreditgeschäfte des Instituts in den USA eingeschränkt werden. Das sind unrealistische Vorstellungen, die höchstwahrscheinlich abgelehnt werden. Aber die Dissidenten haben Recht, wenn sie das Management dazu zwingen, sich unangenehmen Fragen zu stellen.

Die Deutsche Bank ist das jüngste Mitglied in einem wachsenden und übel beleumundeten Club: Sie gehört jetzt auch zu den Banken, die von aktivistischen Investoren aufs Korn genommen werden. Das Kreditinstitut soll sich von seiner Investmentbank trennen. Über diese Forderung der Professoren Ekkehard Wenger und Leonhard Knoll soll die Hauptversammlung abstimmen. Getrennt davon verlangen sie eine Beschränkung der Kreditgeschäfte der Bank in den USA und eine Sonderprüfung der Bonuszahlungen – und legen weitere unrealistische Ansinnen vor, die allesamt kaum Aussichten auf Erfolg haben.

UBS und Citigroup sehen sich ähnlichen Aufrufen nach einer Zerschlagung gegenüber. Die Deutsche Bank in dieselbe Gruppe einzureihen, ist nicht ganz berechtigt. Währen die Aktien von UBS und Citigroup im vergangenen Jahr jeweils 52 Prozent verloren haben, sind die Titel der Deutschen Bank um 25 Prozent gefallen. Und der deutsche Bankenprimus hatte auch fast keine Engagements bei US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität, während die beiden größeren Branchenkollegen bei diesen Papieren die dicksten Portfolios vorwiesen.

Aber Wenger und Knoll, die auch schon Kampagnen gegen Daimler-Chrysler angeführt haben, bringen legitime Punkte vor - wenn auch mit verwunderlichen Schnörkeln. Sie verweisen darauf, dass die Deutsche Bank in den vergangenen zehn Jahren den Aktionären auf Jahresbasis, die Dividenden eingeschlossen, nur eine Rendite von zwei Prozent erbracht hat. Die Professoren vergleichen dabei Investmentbanken mit Fußballvereinen. Um ihre Strategie der Loslösung von Amerika zu stützen, nennen sie die USA ein krisengeschütteltes Land mit einer morschen Wirtschaft, wo rücksichtslose Bosse viel zu viel Geld einsacken können.

Die Deutsche Bank empfiehlt, kaum überraschend, ihren Aktionären die Ablehnung sämtlicher Vorschläge. Vor fünfzehn Jahren, so die Argumentation, habe die Deutsche Bank eine Rendite von 13 Prozent erbracht – wobei ein großer Teil auf die Investmentbank entfallen sei. Aber das Kreditinstitut sollte die Abtrünnigen auch nicht pauschal abtun. Die Bank würde gut daran tun, hinter den aufstachelnden Übertreibungen zu lesen. Da sich der gesamte Bankensektor in Aufruhr befindet, muss die Deutsche Bank sich den Fragen zu ihrer Struktur stellen und so viel zahlen wie jeder andere auch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%